Trauriger Rekord

2011 war das Jahr der Autobrandstiftungen

In Berlin standen im vergangenen Jahr nach Brandstiftungen knapp 760 Autos in Flammen – so viele wie noch nie. Dabei ist allerdings der Anteil der politisch motivierten Brandattacken deutlich zurückgegangen. Fast 80 Prozent der Brandstifter zündeln aus anderen Gründen.

Foto: dpa / dpa/DPA

In Berlin haben Brandstifter 2011 an so vielen Autos nachts Feuer gelegt wie noch nie. 537 Fahrzeuge wurden direkt angezündet, teilte die Polizei am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Weitere 222 Wagen wurden durch übergreifende Flammen beschädigt. In den letzten Wochen ging die Zahl der Brandanschläge zurück. „Der Fahndungs- und Ermittlungsdruck wird aber aufrechterhalten“, sagte eine Sprecherin der Polizei.

In diesem Jahr wurden bereits sechs Autos angezündet sowie zwei weitere Wagen mitbeschädigt. Bei den neuen Fällen werde aber nicht von einem politischen Motiv der Brandstifter ausgegangen, sagte die Sprecherin.

Zwei Sonderkommissionen zur Bekämpfung von Autobrandstiftungen wurden allerdings inzwischen aufgelöst. Laut Polizei sind nun wieder Funk- und Zivilstreifen für die Verfolgung von Brandstiftern zuständig. Falls erforderlich, könnten aber rasch wieder zusätzliche Brandstreifen eingesetzt werden, hieß es.

Vor der Abgeordnetenhauswahl hatte im Spätsommer 2011 eine heftige Serie von Brandstiftungen Berlin erschüttert. Fast jede Nacht brannten Autos. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurden gemeinsame Brandstreifen von Hauptstadt- und Bundespolizisten eingesetzt.

Serien-Brandstifter gefasst

Ein mutmaßlicher Serien-Auto-Brandstifter konnte gefasst werden. Ihm werden laut Staatsanwaltschaft 102 Taten zur Last gelegt. Die Ermittlungen seien im Wesentlichen abgeschlossen, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner am Dienstag. Damit dürfte in nächster Zeit mit einer Anklage zu rechnen sein. Der Maler und Lackierer sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann hatte laut Polizei in Vernehmungen persönlichen Frust, soziale Unzufriedenheit und Geldnöte wegen seiner Arbeitslosigkeit als Motiv angegeben.

Auch andere Tatverdächtige konnten gefasst werden. Am Dienstag gestand ein 23 alter mutmaßlicher Auto-Brandstifter vor dem Amtsgericht Tiergarten, im November einen Transporter angezündet zu haben. Es sei eine Dummheit unter Einfluss von Alkohol gewesen, sagte der Arbeitslose. Das Auto brannte vollständig aus. Durch das Feuer wurden sieben weitere Fahrzeuge beschädigt.

Meiste Brandstiftungen ohne politischen Hintergrund

Bei 117 direkt angegriffen Autos im Vorjahr vermuten die Ermittler einen politisch motivierten Hintergrund. Die Zahl der nicht politisch motivierten direkten Angriffe liegt mit 420 Fahrzeugen aber dreieinhalb Mal so hoch.

Bislang hatte 2009 als das Jahr mit den meisten Brandanschlägen auf Autos in Berlin gegolten. 401 Fahrzeuge wurden laut Polizei damals direkt angezündet. Doch 2009 war die Zahl der politisch motivierten Brandstiftungen nach Behördenangaben höher als 2011 gewesen. Vermutlich linksextremistische Brandstifter steckten damals 221 Autos an. Dieses Bild hat sich seither verändert. Während 2009 noch bei rund der Hälfte der direkten Autobrandstiftungen ein politisches Motiv vermutet wurde, lag dieser Anteil 2011 nur noch bei gut einem Fünftel. Die Polizei erfasst die Auto-Brandstiftungen seit 2005.

2010 waren die Anschläge auf Autos und Firmenfahrzeuge deutlich zurückgegangen. 240 Wagen wurden direkt angegriffen, 50 mitbeschädigt.