Bluttat

Kreuzberger erschossen - Polizei sucht Zeugin

Nach den tödlichen Schüssen auf einen 46-jährigen Kreuzberger bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe. Dingend gesucht wird eine französischsprachige Zeugin. Der erschossene Massagesalon-Betreiber soll geschäftliche Probleme gehabt haben.

Foto: Steffen Pletl

Nach den tödlichen Schüssen am Sonnabend in Kreuzberg versucht die Berlinern Polizei nun mithilfe der Berliner Bevölkerung das Verbrechen aufzuklären . Wie berichtet, war zwischen 17.30 Uhr und 17.40 Uhr ein 46-Jähriger auf der Großbeerenstraße gegenüber der Hausnummer 93 mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden.

Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen am Tatort konnten die Helfer den Angeschossenen nicht mehr retten. Er erlag noch auf der Straße seinen schweren Verletzungen. Die Ermittlungen hat die 2. Mordkommission des Landeskriminalamtes übernommen.

Spurensicherung bis spät in die Nacht

Bis spät in die Nacht sicherten Beamte Spuren, sperrten den Tatort am Ida-Wolff-Platz zwischen Großbeerenstraße und Stresemannstraße unweit des Anhalter Bahnhofs weiträumig ab. Auch mögliche Zeugen wurden noch am frühen Abend befragt. Bei dem Toten handelt es sich um den 46 Jahre alten Recep Aksu. Die Mordkommission stellt folgende Fragen: Wer kennt den Mann? Wer kann Angaben darüber machen, was Aksu am Abend des 17. Dezembers im Tatortbereich vor hatte und wie er dort hingelangt ist?

Besonders dringend sucht die Mordkommission Zeugen und andere Personen, die zur Tatzeit im Bereich des Tatorts anwesend waren. „Wir bitten dringend die Personen, die erste Hilfe geleistet haben, sich mit der 2. Mordkommission in Verbindung zu setzen, damit wir die am Tatort gesicherten Spuren entsprechend abgleichen können“, sagt Polizeisprecherin Kerstin Ziesmer. „Insbesondere suchen wir eine französisch sprechende Frau, die zur Tatzeit am unmittelbaren Tatort vorbeigelaufen sein soll.“

Hintergründe völlig unklar

Bislang sind die Hintergründe, die zu dem Kapitalverbrechen geführt haben, völlig unklar. Sicher ist jedoch, dass Recep Aksu in letzter Zeit mehrfach mit Verletzungen im Gesicht gesehen wurde. „Ich habe ihn in den vergangenen Wochen immer wieder mit anderen Verletzungen gesehen“, sagt der Mitarbeiter einer Pizzeria an der Hellersdorfer Promenade in Hellersdorf. „Einmal kam er mit einem blauen Auge ins Lokal und hat mir erzählt, das käme von einem Autounfall. Das sah aber eher nach einer Prügelei aus.“

Noch am Sonnabend hatte Recep Aksu gegen 13.30 Uhr in der Pizzeria gegessen. Das belegen die Bilder einer Überwachungskamera in dem Laden. Aksu war häufiger Gast in dem Restaurant. Vor etwa vier Monaten hatte der 46-Jährige an der Hellersdorfer Promenade 34 einen Massagesalon mit dem Namen „Saloon of Sultans“ eröffnet. Nach außen hin ein seriöser Massagesalon, einschließlich einem Verkauf und Verleih von Massagesesseln und Geräten. Inwieweit in dem Geschäft möglicherweise auch andere Entspannungs-Dienstleistungen angeboten wurden, ist unklar.

Pchsträhne nach Ladeneröffnung

In Gesprächen mit Nachbarn und Anwohnern hat der Geschäftsmann mehrfach von seiner Pechsträhne mit dem neu eröffneten Laden berichtet. Immer wieder soll es Probleme mit den sanitären Einrichtungen gegeben haben. Umbau und Renovierungen hätten viel Geld verschlungen.

„Der Mann war mehrere Monate immer wieder mit Renovierungen und Aufräumarbeiten beschäftigt“, sagt ein Nachbar. „Erst vor ungefähr vier Wochen musste er den Laden wieder schließen und den gesamten Bodenbelag rausreißen und erneuern. Das muss eine ganze Menge Geld gekostet haben, und Einnahmen hatte er ja während dieser Zeit auch nicht.“ So hätten sich Verkauf und Renovierungsarbeiten immer wieder abgewechselt.

Nur selten Kunden im Geschäft

„Kunden habe ich selten in dem Geschäft gesehen“, berichtet ein Anwohner. „Aber er hat immer wieder von weiteren Geschäftseröffnungen erzählt.“ Hin und wieder sei er auch geschäftlich im Ausland unterwegs gewesen, erzählen Nachbarn. Demnach lebte Recep Aksu von seiner Frau geschieden in Kreuzberg und hatte zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, nehmen die 2. Mordkommission des Landeskriminalamtes, LKA 112, an der Keithstraße 30 in Tiergarten oder jede andere Polizeidienststelle entgegen, auch unter Tel. (030) 46 64–91 12 01.