Krawall in Kreuzberg

Gewalt zwischen Kurden und Türken nach Demo

Nach der teils gewalttätigen Demonstration am Sonnabend ist es in Berlin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken gekommen. Während des Protestzugs waren bereits "erkennbar türkische Objekte", so die Polizei, in Kreuzberg attackiert worden.

Bei einem Protestmarsch von linken und kurdischen Gruppen ist es in Berlin-Kreuzberg zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen - zwischen Demonstranten und der Polizei einerseits sowie zwischen Türken und Kurden andererseits.

Gegen Mittag hatten sich Teilnehmer der Demonstration unter dem Motto "Gegen Faschismus und Rassismus - Staat und Nazis Hand in Hand?" am Oranienplatz in Kreuzberg. Schon vor Beginn des Protestmarsches kam es zu Verstößen gegen das Vereins- und Versammlungsgesetz - weil Demonstranten vermummt waren und weil sie "verbotene Fahnen" zeigten, nämlich die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften "Kurdischen Arbeiterpartei" PKK.

Unter den Antifa-Aufzug hatten sich offenbar auch mehrere Hundert Menschen gemischt, die zu einer Demonstration für die Aufhebung des Verbotes der PKK wollte. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte die Demonstration der Kurden am Freitag verboten. Die Richter befürchteten Propaganda für die PKK. Die Polizei fing am Sonnabend schon am Stadtrand Demonstranten ab, die zu dem verbotenen Kurden-Aufmarsch nach Berlin gereist waren. Nach Polizeiangaben schickten die Beamten mehrere Reisebusse wieder zurück nach Hause. Ursprünglich waren fast 30.000 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet worden.

Einige aber gelangten doch nach Kreuzberg: Gegen 13.10 Uhr setzte sich der Aufzug laut Polizeiangaben mit rund 2000 Teilnehmern in Bewegung; wenig später vermummten sich einzelne Demonstranten erneut, warfen Steine, Flaschen und Böller auf Polizisten - und auf, wie es in der Polizeimeldung heißt, "erkennbar türkische Objekte" - von denen es an der Oranienstraße eine Menge gibt, etwa Geschäfte, Klubs, Teehäuser. Als Polizeibeamte gegen 13.30 Uhr einen Demonstranten wegen Landfriedensbruchs festnahmen, wurden sie angegriffen und setzten körperliche Gewalt und Pfefferspray ein.

Im Verlauf der Demonstration kam es zu weiteren Angriffen auf Polizisten, mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern. An der Jannowitzbrücke wurde der Protestmarsch dann vom Veranstalter der Demonstration abgebrochen. Im Anschluss kam es am Moritzplatz in Kreuzberg zu einer Auseinandersetzung zwischen Kurden und Türken. Dabei wurde ein Mann durch einen Messerstich verletzt. Er kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. "Offenbar als Reaktion auf diese Auseinandersetzung", so die Polizei, kam es am Nachmittag in der Oranienstraße zu einer Schlägerei zwischen 30 Personen. Die Polizei nahm elf von ihnen fest.

Insgesamt wurden im Verlauf der Demonstration 87 Polizeibeamte verletzt. Die meisten konnten aber ihren Dienst fortsetzen. Sechs Beamte mussten ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden. Ein Beamter musste stationär in einer Klinik aufgenommen werden. Die Polizei nahm vor, während und nach der Demonstration insgesamt 71 Personen vorläufig fest. 46 Strafermittlungsverfahren unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Versammlungs- und Vereinsgesetz wurden eingeleitet. Für die Veranstaltungen waren im Laufe des Tages insgesamt fast 2.000 Polizisten im Einsatz.

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