Erleuchtete Wahrzeichen

Kampf um das perfekte Bild des Festival of Lights

Nicht nur "normale" Besucher, sondern auch zahlreiche Hobbyfotografen sind beim Festival of Lights unterwegs. Doch es braucht schon einige Tricks, um ein gutes Foto zu schießen.

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Am 12. Oktober startete die siebte Ausgabe des „Festival of Lights" in Berlin. Bis zum 23. Oktober werden die weltweit bekannten Wahrzeichen, Kulturdenkmäler, Gebäude, Straßen und Plätze Berlins spektakulär in Szene gesetzt. In zwölf Tagen präsentieren Künstler und Lichtdesigner außergewöhnliche Illuminationen, Lichtobjekte und Gestaltungen.Dazu wird es während des Festivals verschiedene Kunst- und Kulturveranstaltungen rund um das Thema „Licht" geben. Die 80 Installationen werden, laut Veranstalter, täglich zwischen 19 und 24 Uhr gezeigt. Am Mittwoch Abend wurde das Festival unter dem Motto „Lights On" am Potsdamer Platz eröffnet.

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Der Berliner Dom wechselt die Farben wie ein Chamäleon, auf dem lilafarbenen Fernsehturm jagen grüne Funken auf und ab, und an der Tempelhofer Freiheit flimmern Rosinenbomber über das Hauptgebäude. Das siebte Festival of Lights verwandelt noch bis zum 23. Oktober 2011 zahlreiche Berliner Wahrzeichen in schillernde, bunte Kunstobjekte. Und es vereint Berliner und Touristen auf eine ungewohnte Weise: Sie alle wollen ein Foto von dem Spektakel machen. Das ist allerdings gar nicht so einfach.

Geschichte von Tempelhof

Sie kommen in der blauen Stunde. In diesen magischen Minuten, wenn der Tag geht und die Nacht kommt. Hunderte Menschen versammeln sich mit ihren Kameras vor den leuchtenden Gebäuden und versuchen, die Lichtkunst auf einem Foto festzuhalten. Rund 80 Licht-Installationen erhellen in den kommenden neun Nächten Straßen, Gebäude und Plätze – darunter sind der Fernsehturm, das Brandenburger Tor, die Siegessäule, der Gendarmenmarkt, der Ernst-Reuter-Platz, das KaDeWe. Auch der Kurfürstendamm und der Boulevard Unter den Linden sind in buntes Licht getaucht, bieten völlig neue Ansichten der Berliner Innenstadt.

Auf dem Hauptgebäude am Tempelhofer Flughafen zeigt eine Collage die Entwicklung des Geländes über mehrere Jahrzehnte hinweg. Man sieht die ersten Rosinenbomber, die während der Berliner Luftbrücke Proviant abwarfen und den Tempelhofer Park, wie er heute ist.

Der Berliner Dom ist vor allem bunt und wechselt seine Motive alle paar Minuten wie ein Chamäleon. Die Malerin und Mediendesignerin Teresa Mar aus Wien hat das Lichtkunstwerk mit einem kreativen Technikteam umgesetzt. Fast unwirklich hebt sich der bunte Dom vor dem dunklen Nachthimmel ab, während ein voller Mond von oben dazu leuchtet. Kaum jemand kann hier vorbei gehen, ohne ein Foto zu machen.

Auf dem Platz vor dem Berliner Dom wird gefachsimpelt, posiert und gelacht. Junge Menschen erproben ihr fotografisches Talent mit Smartphones und Digitalkameras. Andere Fotografen liegen bäuchlings im Sprühnebel vor dem Brunnen im Lustgarten und versuchen, nicht mit der Kamera zu wackeln. Einer von ihnen ist Gero Breloer (39). Natürlich soll alles mit drauf aufs Foto: der beleuchtete Dom, der Vollmond, der Brunnen und vielleicht noch diese blonde Dame mit den langen Beinen.

Schülerin als Model

Breloer fragt die Schülerin Eileen Wenzeck (18) charmant, ob sie kurz für ihn vor dem Berliner Dom Modell stehen könnte. Sie sagt ja, zieht ihre Jacke aus und balanciert auf Zehenspitzen zwischen den nassen Steinen. Breloer kniet auf dem feuchten Boden und knipst drauf los. „Super machst Du das“, ruft er. Seine Knie sind bereits nass, er scheint es aber nicht zu merken. Stattdessen überredet er Eileens Freundin Helena Steuer (18), eine Lampe zu halten, um dem Bild mehr Licht zu geben.

Breloer ist seit 20 Jahren Berufsfotograf, jetzt ist er aber ganz privat hier. Er will mal ganz ohne Zeit- und Kundendruck seine Liebe zur Fotografie ausleben: „Fotografieren heißt zeichnen mit Licht, spielen mit Hell und Dunkel“, sagt er. Das Light-Festival biete eine besondere Gelegenheit, die Stadt mit anderen Augen zu sehen. „Es ist die perfekte Kulisse“ schwärmt Breloer. „Es fehlte nur noch eine hübsche Frau im Vordergrund.“ Breloer ist gut vorbereitet. Er schleppt seine komplette Ausrüstung in mehreren Koffern mit sich herum. Über ein Pärchen, das sich mit blitzendem Handy vor dem Dom fotografiert, muss er ein wenig schmunzeln. „Der Blitz zerstört die ganze Wirkung“, sagt er. „Man hat zwar einen hellen Vordergrund, aber der Dom verschwindet im Dunklen“. Damit das nicht passiert, müsse man auf jeden Fall den Blitz an Kamera oder Handy ausschalten. Dafür verlängert sich dann allerdings die Belichtungszeit, in der man die Kamera mehrere Sekunden absolut still halten muss. Das sei mit bloßer Hand kaum möglich, deshalb müsse man sich eine feste Fläche suchen, auf der man seinen Fotoapparat abstützen kann. „Da muss man improvisieren und sich eine Mauer suchen oder einen Mülleimer“, sagt Breloer.

Mit Stativ unterwegs

Jan Steimel (18) hat dieses Prinzip verstanden, obwohl er nur in seiner Freizeit fotografiert und sich erst vor ein paar Monaten eine Spiegelreflexkamera gekauft hat. Er hat sich ein Stativ mitgebracht, das die Kamera ruhig hält. Jan Steimel ist gelernter Bäckermeister und macht zurzeit in Berlin sein Abitur nach. Den Berliner Dom hält er für das schönste Motiv beim „Festival of Lights“. „Die Stimmung ist hier besonders mystisch, irgendwie surreal“, sagt Steimel. Vergangenes Jahr hat er schon mal Fotos vom Lichtfest geschossen. „Sind aber nichts geworden“, sagt er. „Alle unscharf und verwackelt.“

Deshalb ist er dieses Jahr besser vorbereitet. Außer dem Stativ hat er auch eine Fernbedienung mitgebracht, mit der er den Auslöser seiner Kamera betätigt. Das sollte die Qualität seiner Bilder deutlich verbessern, hofft Steimel. Der Student Florian Paul (24) aus Köln hat seine Kamera kunstvoll auf einem Jackenberg positioniert, um ein wackelfreies Foto hinzubekommen. „Obwohl diese verwischten Farbschweife, die sich wie Kometen durchs Bild ziehen, auch einen gewissen Reiz haben“, sagt er und lacht. Auf dem improvisierten Jackenberg liegt auch der Mantel von Aushilfsmodel Eileen. Sie posiert immer noch in einem dünnen Oberteil vor dem Brunnen, aber langsam wird es ihr zu kalt. „Eigentlich wollte ich doch nur ein Eis essen“ ruft sie. Die blaue Stunde ist vorbei, die Nacht ist da. Fotograf Gero Breloer hat ein Einsehen. „Vielleicht buche ich dich einfach noch mal“ sagt er. „Wenn es dämmert und der Zauber am größten ist“ fügt er hinzu und wirft Eileen die Jacke zu.

Das Festival of Light geht noch bis zum 23. Oktober 2011 , immer 19 bis 24 Uhr. Informationen gibt es im Internet unter www.festival-of-lights.de