S-Bahnhof Schöneweide

Brutaler Überfall - Bahnhof ohne Kameras

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: dpa / dpa/DPA

Brutal traten die Täter in das Gesicht ihres Opfers. Bilder von dem Überfall gibt es aber nicht. Der S-Bahnhof Schöneweide wird nicht videoüberwacht. Gewalt im Nahverkehr wird nach den jüngsten Fällen auch Thema der Koalitionsverhandlungen zwischen Rot-Schwarz sein.

Nach der brutalen Prügelattacke auf dem Berliner S-Bahnhof Schöneweide wird das Opfer weiter stationär im Krankenhaus behandelt. Zwei Unbekannte hatten dem 22-Jährigen am Sonnabend mit Tritten regelrecht das Gesicht zertrümmert. "Jochbein und Nase sind gebrochen, das Kinn ist angebrochen - er muss noch fünf Tage im Krankenhaus bleiben“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntag. Die beiden Täter seien weiter flüchtig.

Ein heftiger Streit hatte am Sonnabendmorgen auf dem Bahnsteig des Bahnhofs zu dem Gewaltexzess geführt. Der 22-Jährige lag nach Angaben der Polizei bereits am Boden, als die Angreifer auf ihn lostraten. Ob Alkohol im Spiel war, ist unklar. Videoaufnahmen von der Tat gibt es laut Bundespolizei nicht, weil auf dem Bahnhof keine entsprechenden Anlagen montiert seien.

Ein 28 Jahre alter Zeuge verständigte die Polizei. Zeugen berichteten der Polizei später, die völlig enthemmt wirkenden Angreifer hätten auch noch auf ihr Opfer eingetreten, als dieses bereits am Boden lag. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler sind Täter und Opfer unmittelbar vor dem Übergriff in einen Streit geraten. Noch ist nach Angaben einer Polizeisprecherin unklar, worum es bei dem Streit ging. Fest steht, dass die zunächst verbale Auseinandersetzung plötzlich eskalierte und zu der brutalen Attacke auf den 22-Jährigen führte. Als die Beamten eintrafen, flüchteten die Täter. Die Bundespolizei leitete ein Strafverfahren wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung ein.

Das Opfer konnte aufgrund seiner massiven Verletzungen bislang noch nicht zum Tatgeschehen befragt werden. Von der Aussage des 22-Jährigen erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf die Identität der Angreifer. Die Befragung der wenigen Zeugen war, wie es am Sonnabend aus Ermittlerkreisen hieß, zunächst wenig ergiebig.

Für Aufsehen sorgte auch ein brutaler Überfall auf ein 18-jähriges Mädchen am Sonnabendmorgen. Sie wurde zwischen den Bahnhöfen Kleistpark und Eisenacher Straße in einem U-Bahnwagen der Linie 7 brutal geschlagen und ausgeraubt.

Gewalt Thema bei Koalitionsverhandungen

Der erneute Gewaltexzess auf einem Berliner Bahnhof wird wohl auch Thema bei den Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU sein, die an diesem Mittwoch beginnen.

„Wir werden auch über Personal und Ausstattung bei der Polizei reden müssen“, sagte der CDU-Vorsitzende Frank Henkel der „Bild am Sonntag“. Man könne die öffentlichen gewalttätigen Überfälle nicht hinnehmen. „Das Thema innere Sicherheit in Berlin ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Regierungsarbeit“, kündigte Henkel an, der als künftiger Berliner Innensenator gehandelt wird.

Nach Ansicht von Experten lassen sich Gewaltexzesse allein mit mehr Polizeipräsenz und Überwachungskameras aber nicht bekämpfen. Kameras würden „im Moment der Tat nicht registriert“, hatte der Psychiater und Gerichtsgutachter Karl Kreutzberg vor einiger Zeit in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ gesagt.

Orte exzessiver Gewalt würden Bahnhöfe deshalb so oft, weil dort die soziale Kontrolle am geringsten sei, ergänzte Kreutzberg. Schon vor Jahren hätten etwa die Berliner Verkehrsbetriebe ihr Personal flächendeckend abgezogen. „Damit war auch ein Stück Sicherheit weg, und der so entstandene herrenlose Raum wurde von den Jugendlichen genutzt.“

( BMO mit dpa )