Gästezahlen

Berlin-Tourismus steuert neuen Rekord an

Berlin bleibt ein starker Touristenmagnet – und zum wiederholten Mal gibt es Besucher-Zuwächse. 9,8 Millionen registrierte Gäste werden Ende des Jahres die Hauptstadt besucht haben. Der Boom hat aber auch das Interesse des Finanzsenators geweckt.

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Die deutsche Hauptstadt ist als Reiseziel so gefragt wie noch nie. Das belegt der neueste Rekord: Allein im September dieses Jahres kamen knapp acht Prozent mehr Gäste als im Vorjahresmonat. Die Hotels und Pensionen der Stadt begrüßten 955.700 Gäste. Vor allem Papst-Besuch und Berlin-Marathon haben dem Berlin-Tourismus ein spätsommerliches Hoch beschert, das sich auch in rund 2,1 Millionen Übernachtungen niederschlug – ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit ein weiterer Rekord. Insgesamt kamen in den ersten neun Monaten rund 7,4 Millionen Menschen in die Hauptstadt, Ende des Jahres 2011 werden es 9,8 Millionen sein. 2012 sollen es dann zehn Millionen werden. Im Jahr 2010 waren es 9,1 Millionen.

Die Investitionsbank Berlin, die am Donnerstag eine Studie zum „Tourismus in Berlin“ vorgestellt hat, rechnet für dieses Jahr mit mehr als 22 Millionen Übernachtungen in Hotels und Pensionen. Erst 2010 hatte Berlin erstmals die 20-Millionen-Hürde genommen. Wenn die Prognose der Analysten zutreffend ist, wird im Jahr 2016 bereits die 30-Millionen-Marke überschritten.

Die immer neuen Rekorde, die die Hotelbranche in Berlin feiert, locken weiter viele internationale Hotelketten an, die massiv auf den Berliner Markt drängen. So gab aktuell die Steigenberger Gruppe bekannt, am Hauptbahnhof ein neues 340-Betten-Haus errichten zu wollen. Für ein ähnlich großes Haus wird nur wenige Meter weiter noch in diesem Monat der Grundstein gelegt. Dort wird ein Intercity-Hotel einziehen. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg verzeichnet in der deutschen Hauptstadt aktuell 773 „Beherbergungsstätten“ mit rund 122.000 Betten. Laut IBB-Studie wird die Zahl der Hotelbetten auch künftig weiter stark wachsen. In den kommenden zwei Jahren, heißt es in dem Bericht, kommen weitere 15.000 Betten dazu.

Der Hotelboom hat aber auch das Interesse des Berliner Finanzsenators geweckt. Mit der Bettensteuer, neudeutsch „City Tax“ genannt, will Ulrich Nußbaum (parteilos) die Stadtkasse aufbessern. „Ich halte es für fair, unsere Besucher an den Kosten für touristische und kulturelle Angebote zu beteiligen“, sagte Nußbaum. Noch steht nicht fest, wie viel Geld Berlins Gäste abgeben sollen. Kürzlich wurde über fünf Prozent des Zimmerpreises spekuliert. Nußbaum selbst hat einmal den Preis eines U-Bahn-Tickets genannt. Das kostet in der Innenstadt 2,30 Euro.

Von „Abzocke“ spricht dagegen der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Mit der ,City Tax' wird der Wirtschaftsmotor Tourismus abgewürgt“, befürchtet Berlins Dehoga-Präsident Willy Weiland. Sollten die Koalitionäre tatsächlich diese Zwangsabgabe beschließen, werde der Verband mit einer Klage die Rechtmäßigkeit der Steuer überprüfen lassen. An diesem Freitag wollen SPD und CDU entscheiden, ob die Bettensteuer tatsächlich kommt. Die Union ist laut ihrem Wahlprogramm ausdrücklich dagegen.

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