Kritik an Kopfbedeckung

Pirat Brunner will Tuch erst bei Frieden ablegen

Der Berliner Piraten-Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner trägt ein Palästinensertuch. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, fordert von ihm, es abzulegen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die Latzhose in Knallorange und das Palästinenser-Kopftuch sind das Markenzeichen des Berliner Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner. Gegen die Latzhose hat die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, nichts. Wohl aber gegen die karierte Kopftracht.

In einem offenen Brief forderte sie den in das Berliner Parlament gewählten Abgeordneten dazu auf, das Tuch abzulegen. Ihr Vorwurf: „Bewusst oder unbewusst“ signalisiere der Träger eines solchen Tuches eine nationale, antijüdische Gesinnung und Sympathie für Gewalttätigkeit im Kampf gegen die westliche Modernität. Das Palästinensertuch sei nicht nur ein Symbol der Befreiungsbewegungen der Dritten Welt und der westlichen Linken, sondern stehe auch für Nationalismus, bewaffneten Kampf und Anti-Zionismus, schrieb Knobloch.

Gerwald Claus-Brunner zeigte sich überrascht von der Kritik. „Die Meinung von Frau Knobloch muss ich respektieren, aber mich wundert, dass sie nicht zuerst das persönliche Gespräch sucht, sondern über die Presse geht“, sagte er Morgenpost Online. Bislang sei er eher wenig auf das Tuch angesprochen worden.

Bekannt geworden ist das Palästinensertuch in den 70er-Jahren während des Nahost-Konfliktes. Der Anführer der Fatah-Organisation, Jassir Arafat, war eine der wichtigsten Figuren des palästinensischen Befreiungskampfes und trat ausschließlich mit diesem Tuch auf. Knoblochs Vorwurf kann Claus-Brunner trotzdem nicht nachvollziehen: „Den Vorwurf des Antisemitismus weise ich klar von mir.“ Er habe das Tuch 1995 geschenkt bekommen. „Ich werde das Tuch erst ablegen – und dann mit sehr großer Freude – wenn beide Parteien im Nahost-Konflikt einen Kompromiss gefunden haben und Frieden herrscht.“ Er biete Frau Knobloch aber gerne ein persönliches Gespräch an, um Missverständnisse zu beseitigen.