Urteil

Kehle durchtrennt - neun Jahre Haft für Fleischer

Wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin ist Sebastian V. zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sah es als erwiesen an, dass der Fleischer seiner Freundin in ihrer Lichtenberger Wohnung die Kehle durchgeschnitten hat.

Foto: Steffen Pletl

Es konnte nicht restlos geklärt werden, warum der 33-jährige Sebastian V. im Mai 2011 zum Messer griff und seiner Freundin die Kehle durchschnitt. Die junge Frau konnte auch von einem Notarzt nicht mehr gerettet werden. Der arbeitslose Fleischer wurde dafür am Freitag wegen heimtückischen Mordes zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Es sei bei dem Angeklagten unmittelbar nach der Tat ein Blutalkoholwert von rund 2,5 Promille festgestellt worden, sagte der Schwurgerichtsvorsitzende Olaf Arnoldi. Aus diesem Grunde sei auch nicht das bei Mord eigentlich obligatorische „lebenslänglich“ verhängt worden. Die Kammer habe zugunsten des Angeklagten davon ausgehen müssen, dass seine Steuerungsfähigkeit stark eingeschränkt gewesen sei.

Sebastian V. und die 29-jährige Dana R. hatten sich im Mai 2010 über eine Internetplattform kennengelernt. Seit Juni 2010 waren sie ein Paar. Zeugen hatten vor Gericht berichtet, dass es zwischen dem jungen Mann und der alleinerziehenden Mutter eines neunjährigen Sohnes oft Streit gegeben habe. Die Situation hatte sich am 21. Mai zugespitzt, als Dana R. ihrem Freund von einer kurzen erotischen Beziehung mit einem anderen Mann erzählte, die es Ostern 2011 gegeben haben soll.

Sebastian V. hatte die Freundin nach ihrer Beichte aus seiner Wohnung verwiesen, war ihr aber gegen Mitternacht in ihre eigene Wohnung an der Wiecker Straße in Hohenschönhausen gefolgt. Dort gab es zunächst eine Aussprache, bei der anfangs auch Nachbarn von Dana R. anwesend waren. Was anschließend geschah, ist ungeklärt. Fünf Stunden später rief Sebastian V. bei der Polizei an und sagte: „Ich habe Scheiße gebaut und im Affekt meiner Freundin die Kehle durchgeschnitten.“

Das Schwurgericht sah jedoch keine Affekttat, sondern einen heimtückischen Mord. Einem Gutachten zufolge sei die Attacke mit dem Schlachtermesser, das der Angeklagte in einer Aktentasche mitgebracht hatte, mit hoher Wahrscheinlichkeit von hinten erfolgt, sagte Richter Arnoldi. „Es war ein sauberer Schnitt. Und es gab keinerlei Abwehrverletzungen bei der Getöteten.“ Auch das spreche für die Vermutung, dass Dana R. arglos gewesen sei und den Angriff nicht gesehen habe. „Sie hatte keinerlei Chance.“

Sebastian V.s Verteidiger Mirko Röder hatte auf Totschlag plädiert, war mit dem Ausgang des Prozesses aber dennoch zufrieden. „Es ist angesichts der Umstände ein angemessenes Urteil“, so Anwalt Röder. Deswegen werde er seinem Mandanten auch abraten, in Revision zu gehen.