Versuchter Totschlag

Messerangriff - Ex-Bandido schweigt vor Gericht

Ein ehemaliges Mitglied der Rocker-Gruppierung Bandidos soll vor vier Jahren auf den Türsteher einer Diskothek eingestochen haben. Nur mit Glück überlebte der Mann. Vor Gericht schwieg sich der Angeklagte, der inzwischen zu den Hells Angels gewechselt sein soll, aus.

Ein ehemaliges Mitglied des Motorradclubs Bandidos muss sich wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Dem 27-Jährigen wird vorgeworfen, im August 2007 den Türsteher einer Diskothek in Schöneberg einen Faustschlag versetzt und schließlich versucht zu haben, den Mann mit einem Messer anzugreifen. Die Attacke schlug allerdings fehl, da der Angegriffene seinen Kopf reflexartig wegziehen konnte, wie es in der Anklage heißt.

Mitangeklagt ist ein 28-jähriger Mann, der Gegenstände in Richtung des Türstehers geschleudert und dabei eine Frau getroffen und leicht verletzt haben soll. Vor dem Landgericht Berlin wollten sich die Angeklagten am Freitag dazu nicht äußern.

Der 27-jährige Angeklagte war Mitglied der Bandidos. Inzwischen soll der türkischstämmige Mann zum verfeindeten Motorradclub Hells Angels übergetreten sein. Der Übertritt sorgte in der Szene für Aufruhr. Zwischen beiden Gruppierungen war es bundesweit immer wieder zu Gewaltaktionen gekommen. Anfang Oktober 2011 kam es in Berlin zu einem dramatischen Höhepunkt. Ein Unbekannter schoss auf ein Geschäft im Stadtteil Reinickendorf, das den Bandidos zugerechnet wird.

Dem Angeklagten werden im Verfahren weitere Gewalttaten aus dem Jahr 2007 vorgeworfen. So soll er nur zwei Tag vor dem Türsteherangriff ein Hells-Angels-Mitglied vor dessen Wohnungstür in Mitte mit einem Messer dreimal in den Oberschenkel gestochen und dann dessen Motorradkutte mit den Insignien des Clubs geraubt haben. Das Opfer musste zweimal operiert werden.

Darüber hinaus soll der Angeklagte im Juli zuvor in einem Schnellrestaurant einen Mann geschlagen und ihn danach mit Messer und Machete verfolgt haben - allerdings ohne ihn zu erwischen.

Zeugin entlastet Angeklagte

Erste Zeugin im Verfahren war die 39-jährige Türchefin, die bei dem Diskotheken-Vorfall vom Sockel eines Verkehrsschildes am Bein getroffen worden war. Ihren Angaben nach hatte sie bei der Auseinandersetzung nur „ein Messer aufblitzen sehen“, aber den Angriff selbst nicht beobachtet. Auf Nachfrage des Gerichts äußerte sie, dass sie beide Angeklagte zwar schon mal gesehen habe. „Aber nicht als Angreifer, sondern als Gäste in der Diskothek“.

Mehrere Zeugen konnten oder wollten am ersten Termin nicht aussagen. Der Türsteher der Diskothek schickte ein Attest. Er sei krank und habe überdies Angst. Vor einigen Wochen sei er auf seine Zeugenaussage hin angesprochen worden. Ihm sei gesagt worden, er wisse schon, was er zu tun habe.

Verteidiger Nicolas Becker erklärte am Rande des Prozesses, er habe kein Verständnis für die Ängste des Zeugen. Sein Mandant jedenfalls habe den Mann nicht eingeschüchtert. Nach Ansicht des Anwalts ist der Prozess vor einem Schwurgericht möglicherweise aus politischen Gründen „eine Stufe zu hoch angesiedelt“.

Das Gericht hat auf Sicherheitsvorkehrungen verzichtet. Im Publikum saßen keine Anhänger des Angeklagten. Der 27-Jährige selbst hat seine Rockerkutte zu Hause gelassen. Der kahl geschorene Berliner saß lässig in Jeans und schwarzem Hemd auf der Anklagebank.