FEZ

Missbrauch - Schaffner bekommt Bewährungsstrafe

Ein Berliner Hobby-Schaffner, der für die Parkeisenbahn Wuhlheide gearbeitet hatte, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte über Jahre Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Es soll noch weitere Fälle geben.

Foto: ZB / ZB/DPA

Ein früherer Mitarbeiter der Berliner Kindereisenbahn im Freizeitzentrum (FEZ) Wuhlheide hat jahrelang ihm anvertraute Jungen sexuell missbraucht. Am Dienstag verurteilte ihn ein Berliner Amtsgericht zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung. Der jetzt 26 Jahre alte Angeklagte hatte gestanden, sich im Zeitraum von Februar 2000 bis Ende 2008 mindestens 47 Mal an sechs Kindern und einem Jugendlichen vergangen zu haben. Der Missbrauchsskandal bei der Parkeisenbahn könnten sich aber noch ausweiten.

Wie am Dienstag aus Justizkreisen bekannt wurde, liegen inzwischen zwei Anklagen gegen drei weitere Tatverdächtige vor. Sie sollen ebenfalls ehrenamtlich für die Parkeisenbahn gearbeitet haben und sich in ähnlicher Weise an Kindern vergriffen haben. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Zwei der drei Hobby-Eisenbahner sollen mit dem verurteilten Daniel P. zusammen einen Jungen sexuell genötigt haben. Ihnen wird 27-facher Missbrauch vorgeworfen. Inzwischen arbeitet keiner der Männer mehr bei der Parkeisenbahn. Alle sind noch auf freiem Fuß

Zu den Übergriffen des 26-Jährigen kam es auf dem Gelände der Kindereisenbahn im Stadtteil Köpenick, in der Bahn und an anderen Orten. Erst im September 2010 flog der Missbrauch auf. Einer der gequälten Jungen hatte seine Scham überwunden und sich seiner älteren Schwester anvertraut. Der Prozess war nicht öffentlich. Sowohl der Angeklagte als auch die Jungen waren Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Parkeisenbahn in der Wuhlheide. Die Schmalspurbahn, die von Kindern und Jugendlichen unter Anleitung Erwachsener betrieben wird, zählt zu den beliebtesten Attraktionen eines der größten europäischen Freizeitparks. 6000 Kindereisenbahner sind seit der Gründung der Gesellschaft im Jahr 1956 hier betreut worden. Die Eisenbahn gehört zum Gelände des ehemaligen Pionierparks „Ernst Thälmann“. Kinder und Jugendliche übernehmen einen großen Teil des Betriebs. In Zukunft sollen sie besser vor Männern wie Daniel P. geschützt werden.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers war der Angeklagte höchstens 15 Jahre alt, als er im Salonwagen der Bahn einen Elfjährigen sexuell bedrängte. Als weitere Tatorte nannte der Sprecher ein Stellwerk sowie das Kinderzimmer des Berliners in der elterlichen Wohnung. Zunächst sei es bei Berührungen geblieben, dann habe er auch Geschlechtsverkehr mit den Jungen gehabt. Der Berliner soll gegenüber den Jungen seine Vorgesetztenposition ausgespielt haben.

Nach Bekanntwerden der Übergriffe hatte der Angeklagte gekündigt. Seit seinem elften Lebensjahr hatte Daniel P. für die Kindereisenbahn gearbeitet. Der 26-Jährige war zeitweise Bahnhofsvorsteher und hatte die Gastronomie in dem Betrieb geleitet.