Schwere Vorwürfe

Missbrauchsverdacht am Potsdamer Sportinternat

Am Potsdamer Sportinternat Friedrich Ludwig Jahn herrscht Entsetzen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei 16-jährige Schüler wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei 16-jährige Schüler des Potsdamer Sportinternats Friedrich Ludwig Jahn. Sie stehen unter dem Verdacht, zwei 13 und 14 Jahre alte Schüler sexuell genötigt zu haben. Einer der Achtklässler soll angegeben haben, dass er in einem Wohnheim der Schule mit einem Besenstiel sexuell missbraucht worden ist. Brisant ist, dass die Tat offenbar zwei Wochen lang verschwiegen und erst nach Druck eines Mitarbeiters gemeldet wurde. Eine Erzieherin sowie ein Trainer sind suspendiert.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Potsdam soll sich der Vorfall bereits Ende September im Wohnheim der Schule zugetragen haben. „Wir stehen jedoch noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralf Roggenbuck, Morgenpost Online. Eltern eines der betroffenen Schüler sowie die Luftschiffhafen Potsdam GmbH, eine Tochtergesellschaft der städtischen Pro Potsdam GmbH, die das Wohnheim der Sportschule seit 1. August 2011 betreibt, hätten Strafanzeigen gestellt. Wegen des Alters der Beschuldigten könne die Behörde derzeit keine weiteren Angaben machen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen sollen die beiden 16-Jährigen nachts in das Zimmer der beiden Achtklässler eingedrungen sein und sie festgehalten haben. Anschließend soll es zu dem sexuellen Übergriff gekommen sein. Schüler, die den Vorfall mitbekommen hatten, sollen ihn der Erzieherin gemeldet haben. Und auch der Trainer soll seinen Pflichten nicht nachgekommen sein. Erst nach fast zwei Wochen soll die Internatsleitung die Eltern der Kinder und die Luftschiffhafen GmbH informiert haben. Deren Chef, Andreas Klemund, stellte daraufhin eine der Strafanzeigen und erteilte Hausverbote für die mutmaßlichen Täter. Klemund wollte sich nicht dazu äußern, ob die Heimleitung sich etwas vorzuwerfen habe.

Weil die Erzieherin eine Angestellte der Stadt Potsdam ist, hat sich auch das Rathaus eingeschaltet. „Wir sind tief bestürzt über die erhobenen Vorwürfe der Gewalt unter Mitschülern im Wohnheim der Sportschule Potsdam“, sagte die Bildungsdezernentin, Iris Jana Magdowski. Die Schüler hätten sich ihren nächsten Vertrauenspersonen offenbart und anscheinend keine Hilfe erhalten.

Den Trainer hingegen suspendierte der Landessportbund Brandenburg. „Grundsätzlich geht es um die Klärung der Vorwürfe“, sagte der Geschäftsführer Andreas Gerlach. Ein Schuldeingeständnis sei dies allerdings nicht.

Bildungsministerium eingeschaltet

Auch das brandenburgische Bildungsministerium untersucht den Fall. Nach einer Anhörung der beiden mutmaßlichen Täter sei klar, dass es einen gewalttätigen Übergriff gegeben habe, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Allerdings stehe bei den Einzelheiten Aussage gegen Aussage. Die Angreifer beteuerten, sie hätten den Übergriff mit dem Besen nur angedeutet. Bei einer Klassenkonferenz am Mittwochabend sollte über den weiteren Verbleib der beiden 16-Jährigen beraten werden.

Neben diesen Vorwürfen muss sich die Sportschule mit einem weiteren Verdacht auseinandersetzen. Elftklässler sollen einen Siebtklässler über Wochen gemobbt und drangsaliert haben. Die mutmaßlichen Täter sollen den Jungen im Internat unter anderem verprügelt und in einen Schrank gesperrt haben. Auch hier prüft das brandenburgische Bildungsministerium die Vorwürfe.