Torben P.

U-Bahn-Schläger geht jetzt auf ein Gymnasium

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Torben P., der an Ostern einen Mann im U-Bahnhof Friedrichstraße zusammengeschlagen und schwer verletzt hatte, besucht künftig ein katholisches Gymnasium in Berlin. Der 18-Jährige, zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, wird dort in eine Klasse der Jahrgangsstufe 11 aufgenommen.

Der Berliner U-Bahn-Schläger Torben P. besucht vom heutigen Dienstag an die Katholische Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg. Er nimmt am Unterricht in der 11. Jahrgangsklasse teil, wie der Schuldezernent des Erzbistums Berlin, Hans-Peter Richter, vor Journalisten bekannt gab. Wenn der zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilte P. dann seine Haftstrafe antreten muss, könne er die Schule jedoch nicht mehr weiter besuchen, so Richter. Bislang allerdings war für P. Haftverschonung angeordnet worden.

Das Landgericht Berlin hatte Torben P. des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Es verurteilte ihn zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten ohne Bewährung. Die Verteidiger legten Revision ein; das Gericht ordnete Haftverschonung an, bis das Urteil rechtskräftig ist.

„Wenn nicht wir, wer dann?“

Torben P. hatte im April auf einem U-Bahnsteig einen Fahrgast unter anderem mit Tritten gegen den Kopf schwer verletzt. An seine bisherige Schule kann er nach Protesten von Lehrern und Eltern nicht zurückkehren. Torben P. ist nach Angaben des Erzbistums protestantisch.

Schuldezernent Richter sagte, er habe Mitte Juli den Anruf von „einer staatlichen Stelle“ erhalten, ob das Erzbistum Berlin als Träger mehrerer Schulen den 18-jährigen Torben P. aufnehmen könne. Das Erzbistum habe daraufhin eingewilligt. „Wenn nicht wir, wer dann?“, zitierte Richter den Generalvikar des Erzbistums, Ronald Rother. Es gehöre zum Profil der katholischen Schulen, schuldig gewordenen Menschen eine neue Chance zu geben. Es habe anschließend auch erste Gespräche mit Torben P. sowie seinen Eltern gegeben.

Schulpfarrer soll Torben P. begleiten

Nach Angaben Richters entschied sich das Erzbistum unter anderem für die Charlottenburger Liebfrauenschule, weil es dort Schulpsychologen gibt. Schulpfarrer Lutz Nehk soll Torben P. begleiten. Auch die beiden Schulelternsprecher hätten sich „nach einem langen Gespräch“ für eine Aufnahme ausgesprochen, ebenso die Mehrheit der Lehrer und Schüler. Richter räumte ein, es gebe aber auch Lehrer, die Angst hätten, ihn zu unterrichten. So habe Torben P. in einem Fach aus diesem Grund den Kurs gewechselt. Auch Schüler hätten Ängste geäußert, auch sie könnten psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. „Vielleicht gelingt es uns, Torben P. ein Stück weit zu begleiten, damit er sein Leben wieder in den Griff bekommt“, sagte Richter wörtlich.

Der Schuldezernent erklärte weiter, das Erzbistum habe sich auch an das Opfer von Torben P. gewandt. Er habe ihm einen „sehr persönlichen Brief“ geschrieben und betont, dass mit der Aufnahme nicht die Schwere der Schuld des Täters gemindert werden solle. Die für die Schule zuständige Schulrätin Terezija Lauff ergänzte, die Schüler erwögen, als symbolische Geste Geld für einen Opferverband zu sammeln. Insgesamt besuchen derzeit rund 750 Schüler und Schülerinnen das katholische Gymnasium.

( KNA/dino )