Brandserie

Brandserie in Berlin - Ein Toter und 42 Verletzte

In Berlin hat es am Wochenende mehrfach gebrannt. Dabei wurden 42 Menschen verletzt. Für einen Mann in Neukölln kam jede Hilfe zu spät. Nun wächst die Angst vor weiteren Brandanschlägen in der Hauptstadt.

Foto: Steffen Pletl

Bei einem Wohnungsbrand an der Emser Straße in Neukölln ist am Sonntag ein Mann ums Leben gekommen. Die Identität des Opfers stand zunächst nicht zweifelsfrei fest. Vermutlich handelt es sich um den 65 Jahre alten Wohnungsmieter, sagte eine Polizeisprecherin. Unklar ist auch noch die Ursache, die am Vormittag zu dem verhängnisvollen Brand geführt hat. 15 Hausbewohner mussten nach Angaben der Feuerwehr leicht verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Bei der Mehrzahl der Betroffenen handelte es sich um Mieter, die vorsorglich wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung zur ambulanten Behandlung eingeliefert wurden. Die Emser Straße war während der Löscharbeiten für etwa drei Stunden zwischen Hermann- und Boberstraße gesperrt.

Um 10.31 Uhr erreichte ein Notruf die Feuerwehrleitzentrale, die vier Löschstaffeln ausrücken ließ. Weil es in dem fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus zu einer starken Rauchentwicklung kam, setzten die Einsatzkräfte ein Drehleiterfahrzeug ein, mit dem allein neun Bewohner in Sicherheit gebracht wurden. In der Brandwohnung im zweiten Obergeschoss stand die Einrichtung in Flammen, die Feuerwehrleute fanden dort den leblosen Mann. Zwar brannte die betroffene Wohnung vollständig aus, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Wohnungen konnte aber verhindert werden. Im dem Altbau leben etliche Studenten in Wohngemeinschaften. Mieter Alper Demirtas konnte nach Informationen von Morgenpost Online sich und ein Kind einer Nachbarsfamilie in Sicherheit bringen. Über das Dach gelangte der 30-Jährige in das Treppenhaus des angrenzenden Hauses. Für die 23 in Sicherheit gebrachten Mieter richtete die Feuerwehr eine ambulante Versorgungsstelle ein. Gegen 12 Uhr meldeten die Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle. Am Nachmittag wurde noch nach Glutnestern gesucht. Ein Brandkommissariat nahm die Ermittlungen auf. Von einem technischen Defekt über Fahrlässigkeit bis zu einem Zusammenhang mit einer Straftat ist laut Polizei keine Ursache auszuschließen.

Bei zwei weiteren Feuerwehreinsätzen in Wedding und Prenzlauer Berg hatten am Sonntagmorgen unbekannte Brandstifter zugeschlagen. Das folgenschwerste Feuer war daraufhin im Keller eines siebenstöckigen Mehrfamilienhauses an der Bernauer Ecke Strelitzer Straße ausgebrochen. Ein Polizeibeamter auf dem Heimweg hatte um 6.21 Uhr schwarze Rauchschwaden bemerkt, die aus dem Kellergeschoss drangen, und die Feuerwehr alarmiert. In einem 30 Quadratmeter großen Abstellraum brannten Möbel und Gerümpel.

Rettung über die Drehleiter

Das gesamte Treppenhaus war bis zum sechsten Obergeschoss stark verqualmt, da einige Mieter ihre Wohnungstüren geöffnet hatten und der Qualm in Wohnungen eingedrungen war. 14Bewohner konnten über Drehleitern gerettet werden, elf weitere wurden von den insgesamt 40 Feuerwehrleuten mit Atemschutzgeräten in Sicherheit gebracht. Sämtliche Betroffenen mussten vor Ort wegen Reizungen der Atemwege medizinisch betreut werden und konnten vorübergehend in einem Straßenbahnzug, den die BVG bereitgestellt hatte, untergebracht werden. Ein Feuerwehrmann erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung, die ein Notarzt behandelte. Der Fahrzeugverkehr war zwischen der Hussitenstraße und der Stralsunder Straße bis 8.10 Uhr komplett gesperrt, betroffen war auch die Straßenbahnlinie M10. Ersten Ermittlungen zufolge war der Brand von einem Fahrradkeller ausgegangen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung.

Noch während des Einsatzes in Wedding rief ein Mieter eines Hauses an der Schönhauser Allee gegen 7.30 Uhr die Feuerwehr, nachdem der Mann einen brennenden Kinderwagen im Hausflur entdeckt hatte. Noch vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte konnten ebenfalls gerufene Polizisten den Brand löschen. Ermittlungen ergaben, dass ein unbekannter Brandstifter erst ein Seilschloss geknackt hatte, mit dem der Kinderwagen am Treppengeländer verbunden war, und danach das Gefährt in den Kellerzugang heruntergestoßen haben muss. Eine 34 Jahre alte Mieterin, die Rauchgas inhaliert hatte, wurde wegen gereizter Atemwege in einer Klinik ambulant behandelt. Auch in diesem Fall ermittelt ein Brandkommissariat wegen schwerer Brandstiftung.

Glimpflicher war dagegen ein Brand in einer Reinickendorfer Wohnung ausgegangen, weil das Bellen ihres Spitzmischlingshundes die 21 Jahre alte Mieterin aus dem Schlaf gerissen hatte. Im Flur traf die junge Frau auf einen Unbekannten, der in die Wohnung in der Brusebergstraße eingebrochen war und gerade Bekleidungsstücke angezündet hatte. Während der Unbekannte ohne Beute flüchtete, löschte die 21-Jährige das Feuer selbst.

Bereits in der Nacht zu Sonntag konnte die Kriminalpolizei in Reinickendorf eine mutmaßliche Brandstifterin in ihrer Wohnung festnehmen, die am Abend zuvor gleich zwei Mal Feuer in einem Wohnhaus in Gesundbrunnen gelegt haben soll. Gegen 21.30 Uhr hatte eine Zeugin nach Polizeiangaben die 38-Jährige beobachtet, wie sie an einem Kellerfenster des Hauses an der Steegerstraße Papier mit einem Feuerzeug entzündet hatte. Während die Brandstifterin flüchtete, löschten Zeugen das Feuer. Nur 30 Minuten später kehrte die 38-Jährige zurück und entfachte dieses Mal ein Feuer auf einem Balkon im Erdgeschoss. Die von Mietern alarmierte Feuerwehr löschte den Brand, der die Haussubstanz beschädigte. Die Polizei ermittelte die Verdächtige und nahm sie kurz darauf fest. In ihrer Wohnung fanden die Polizisten umfangreiches Beweismaterial. Demzufolge hatte die Frau in der Vergangenheit Probleme mit dem Mieter des betroffenen Kellers und der Wohnung gehabt.