Kriminalität in Berlin

Neue Anschläge – 33 Autos brennen in 24 Stunden

Nach den Brandanschlägen auf Autos vom Dienstag haben Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch erneut Fahrzeuge angezündet. Und wieder traf es, anders als zuvor, vor allem den Westen der Stadt: Die meisten Autos brannten in Charlottenburg. Ein CDU-Kreisverband hat nun die Belohnung erhöht.

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Die heftige Serie der nächtlichen Brandanschläge auf Autos in Berlin reißt nicht ab. In der Nacht zum Mittwoch zündeten unbekannte Täter 15 Fahrzeuge an. Fast im Viertelstundentakt gingen die Meldungen bei Polizei und Feuerwehr ein. Schon in der Nacht zum Dienstag waren in Berlin-Charlottenburg elf Autos in Flammen aufgegangen, sieben weitere wurden beschädigt. Die Berliner Kriminalpolizei geht in vielen Fällen der letzten Wochen von linksextremistischen Tätern aus. Der für politische Taten zuständige Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Politischer Hintergrund vermutet - Staatsschutz ermittelt

Am Dienstagabend gegen 23.00 Uhr hatte die neue Serie von Brandstiftungen mit einem Lastwagen im Askanierring in Spandau begonnen. In der Ohmstraße im selben Bezirk traf es drei Autos. Nicht weit entfernt brannte es mehrmals in Charlottenburg-Nord. Allein auf dem Parklatz einer Sportanlage im Heilmannring waren es drei Autos. In der Nähe des U-Bahnhofes Halemweg seien ein weiteres Auto sowie ein Wohnwagen in Brand gesteckt worden, auch ein Motorroller wurde beschädigt.

In der Pestalozzistraße in Charlottenburg brannten zwei Autos. Auch im Stadtteil Moabit schlugen Brandstifter zu: In der Kaiserin-Augusta-Allee brannten zwei Autos. Aber auch in Friedrichshain fiel ein hochwertiger Wagen im Wiesenweg Ecke Gürtelstraße den Brandstiftern zum Opfer. Die Brandstifer hatten es vor allem auf BMW (sieben Brände) und Mercedes (vier Brände) abgesehen.

Bis zum Dienstag zählte die Polizei seit Jahresbeginn etwa 250 brennende Autos, die Hälfte davon würden als Brandstiftungen von Linksextremisten eingestuft, weil bestimmte Indikatoren darauf hinwiesen, sagte ein Polizeisprecher.

Im bisherigen Rekordjahr 2009 gab es 145 direkte Brandanschläge, die mutmaßlich von Linksextremisten verübt wurden. Mehrere hundert Autos brannten ab oder wurden beschädigt. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der direkt politisch motivierten Anschläge auf 44 zurück.

Körting sagte, mittlerweile gebe es noch mehr Brandstreifen der Polizei. „Wir werden die Maßnahmen verstärken, aber bei den vielen tausend Kilometern Straße ist es nicht möglich, überall Polizisten hinzustellen.“ Daher hoffe die Polizei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Bei den Brandstiftern handele es sich wohl um Einzeltäter und Nachahmungstäter, sagte Körting. Nicht alle handelten aus politischen Motiven, aber die linksextreme Szene habe in den vergangenen Jahren das Fundament für Nachahmer und Pyromanen gelegt.

CDU-Kreisverband erhöht Belohnung um 2000 Euro

Der Berliner CDU-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf erhöhte die am Dienstag von der Staatsanwaltschaft ausgesetzte Belohnung von 5000 Euro um 2000 Euro.

Polizeisprecher Frank Millert sagte: „Wir haben jede Nacht rund 100 Beamte und meistens sogar deutlich mehr im Einsatz. Die sind in Zivil und in Uniform in der Stadt unterwegs.“ Die Polizei stünde aber vor einer extrem schwierigen Aufgabe. „Berlin hat 1,2 Millionen zugelassene Fahrzeuge und mehrere tausend Kilometer Straßennetz. Das heißt, es gibt Tatgelegenheiten ohne Ende für Brandstifter. Da kann man nicht an jeder Ecke einen Polizisten parat haben.“

Die Motive der Täter seien kaum zu ergründen. „Was jetzt passiert, da fallen politische Begründungen schwer“, sagte Millert. „Für mich sind das Wirrköpfe.“ Bekennerschreiben, wie es sie früher gab, seien noch nicht aufgetaucht. Vergleiche mit anderen Städten seien nur bedingt nützlich. „Auch wenn in Paris in der Silvesternacht genauso viel Autos brennen wie in Berlin im ganzen Jahr; aber wir wollen nicht die Pariser Verhältnisse sondern, dass es in Berlin ganz aufhört.“

Erst am 10. August hatte ein Berliner Amtsgericht einen 43-jährigen Mann wegen eines Brandanschlags zu 22 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Der geständige Angeklagte hatte am 16. Mai 2011 im Stadtteil Friedrichshain ein Auto angezündet. Die Polizei fand bei ihm linksextreme Publikationen mit Anleitungen für Brandsätze.

Zuvor waren in den vergangenen Jahren zwei Männer verurteilt worden, die betrunken Autos anzündeten. Ein Mann und eine Frau aus der linksextremen Szene wurden in spektakulären Prozessen freigesprochen, weil das Gericht nicht genug Beweise für die Taten sah.