Currywurst-Streit

Imbiss-Verkäufer zeigen Grünen-Politiker Mutlu an

Der bildungspolitische Sprecher der Grünen Özcan Mutlu ist mit Imbiss-Verkäufern in einen handfesten Streit um eine Currywurst geraten. Doch es gibt zwei Versionen der Geschichte und auch zwei verschiedene Anzeigen wegen Körperverletzung.

Foto: David Heerde

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, hat es gegenwärtig schwer. Wenige Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus muss er sich gleich gegen mehrere Vorwürfe zur Wehr setzen. Dabei geht es unter anderem um nicht offengelegte Immobiliengeschäfte.

Der jüngste Vorfall, in den der Kreuzberger Grünen-Abgeordnete involviert ist, ereignete sich allerdings an einem Imbissstand in Mitte. Dort kam es am vergangenen Freitag zu einer Auseinandersetzung zwischen Mutlu und den Imbissverkäufern. Der Streit begann, als Mutlu sich über die hohen Preise für Currywurst und Pommes beschwerte.

Anzeige wegen Körperverletzung

Nach eigenen Angaben hat der Grünen-Politiker Anzeige wegen Beleidigung und Körperverletzung gegen die beiden Imbiss-Mitarbeiter gestellt. Die wiederum haben den 43-Jährigen wegen Körperverletzung angezeigt. Wie Ermittlerkreise der Polizei der Berliner Morgenpost bestätigten, liegen von beiden Seiten Anzeigen vor.

Mutlu äußerte sich gegenüber Morgenpost Online zum Streit: „Ich war mit meiner Tochter auf einer Radtour. Gegen 16 Uhr beschlossen wir, an einem Stand Unter den Linden, gegenüber dem Café Einstein, Currywurst zu essen“, sagte er. Für zwei Würste, Pommes und eine Fanta habe er elf Euro zahlen sollen. „Ich habe auf Deutsch gesagt, dass das satte Preise sind“, so Mutlu. Daraufhin habe der Verkäufer auf Türkisch eine abfällige Bemerkung über ihn gemacht und ihn gemeinsam mit seinem Bruder, der ebenfalls in dem Imbiss arbeitet, beleidigt. Er habe dann auf Türkisch geantwortet und sein Geld zurückverlangt. „Als die beiden jungen Männer erkannten, dass ich ebenfalls Türke bin, sind sie erst richtig wütend geworden. Sie haben mir vorgeworfen, dass ich ihnen den Ramadan verderbe und mich auf das Übelste beschimpft.“ Er habe daraufhin die Polizei verständigt, sagte Mutlu.

Weitere Vorwürfe gegen Mutlu

Die beiden Imbiss-Verkäufer sehen die Sache anders. Der „BZ“ gegenüber sagte einer der beiden, der 20-jährige Oguzhan K., Mutlu habe sich über die hohen Preise beschwert und auf Türkisch geflucht. „Er beschimpfte meinen Imbiss als Sch…laden.“ Daraufhin sei es zu einem Streit gekommen. „Dann nahm er seine Brille ab und stieß mir zweimal gegen die Brust“, behauptete der Verkäufer gegenüber der „BZ“. „Ich habe Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Mann gestellt“, so der Verkäufer.

Mutlu ist entsetzt: „Ich kämpfe seit 20 Jahren für die Gleichberechtigung aller Religionen und Kulturen in diesem Land und nun soll ich mir von Halbstarken sagen lassen, was ich wann essen darf.“

Damit nicht genug. In den vergangenen Wochen musste der Politiker sich den Vorwurf gefallen lassen, er habe Vermittlungstätigkeiten in einem Immobiliengeschäft nicht offengelegt. Deshalb muss er sich nach der Sommerpause vor dem Parlamentspräsidium erklären. Vor wenigen Tagen geriet Mutlu dann wegen seines Einsatzes für die Bahcesehir Universität in die Kritik. Die große türkische Privat-Universität möchte in Berlin eine Hochschuldependance eröffnen und eine Internationale Schule als türkisches Gymnasium aufbauen. Mutlu fungiert in dieser Sache als Unterstützer.

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