Prozessauftakt

Vierjährige entführt – Erpresser ist geständig

"Es ist richtig, ich habe Karoline entführt" - mit einem umfassenden Geständnis begann am Montag der Prozess gegen den Berliner Carsten W. Er hatte die Vierjährige aus Kleinmachnow 13 Stunden lang in seiner Gewalt.

Foto: Steffen Pletl

Nach der Entführung einer Vierjährigen in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) hat der angeklagte Familienvater zum Prozessauftakt am Montag ein umfassendes Geständnis abgelegt. „Es ist richtig, ich habe Karoline entführt“, sagte er vor dem Landgericht Potsdam. Detailliert beschrieb der 45-Jährige die Planung und den Ablauf der Tat im vergangenen Februar. Als Motiv gab der Berliner Geschäftsmann große Geldprobleme an. Er habe „schnelles Geld“ machen wollen, um seine Unternehmen - einen Tierfutterhandel und eine Confiserie - retten zu können.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam wirft dem geschiedenen Familienvater erpresserischen Menschenraub und schwere räuberische Erpressung vor. Laut Anklage hat er die Vierjährige am Morgen des 10. Februar vor dem Haus ihrer Eltern entführt und dabei die Mutter des Mädchens mit einer Sichel bedroht. Er ließ einen Zettel zurück und verlangte 60.000 Euro Lösegeld. Weder Polizei noch Medien sollten die Eltern einschalten. Eine Nachbarin hatte das Drama jedoch beobachtet und informierte die Polizei. Mehr als 13 Stunden bangten die Eltern um ihre Tochter. Erst nach Zahlung des Lösungsgeldes ließ der Mann das Mädchen frei.

Der 45-Jährige hatte die Tat von Anfang an gestanden - die Indizien sind jedoch auch recht eindeutig. Der Angeklagte wurde unmittelbar nach der Freilassung des Mädchens in Kleinmachnow festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft - und ist selbst über die Tat verwundert, wie sein Anwalt sagte. „Könnte er die Zeit zurückdrehen, würde er es tun“, meinte Verteidiger Karsten Beckmann. Sein Mandant habe auch Kontakt zu den Eltern der Vierjährigen gesucht und sich entschuldigt.

Im Gerichtssaal gab es zunächst kein Wort der Entschuldigung oder der Reue. Stattdessen lieferte der Angeklagte eine detaillierte Beschreibung der Tat und ihrer Hintergründe. „Ich will das Verbrechen damit aber nicht beschönigen“, beteuerte er. Etwa 36 000 Euro Schulden drückten den geschiedenen Familienvater nach eigenen Angaben. Um etwas mehr Spielraum zu haben - auch bei den Verhandlungen während der Entführung - habe er jedoch 60-000 Euro verlangt. Er hatte keine Zweifel, dass die Eltern seines Opfers das Geld aufbringen können: Schickes Haus in der Neubausiedlung von Kleinmachnow, zwei Autos vor der Tür.

Eine Entführung erschien dem gelernten Jurist sinnvoller als ein Überfall auf eine Bank oder ein Geschäft: „Ich hatte das Gefühl, dass ich aus der Sache rauskomme, ohne den Körper eines anderen verletzen zu müssen.“ Als Vater von drei Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren setzte er außerdem darauf, mit dem Kind gut umgehen zu können. „Es gab keinen Plan B“, sagte der Angeklagte. Er habe das Mädchen auf jeden Fall am Abend der Familie zurückgeben wollen, betonte er.

Der Prozess wird an diesem Mittwoch (3. August/09.00) mit Zeugen fortgesetzt. Als erstes sollen die Eltern des Mädchens aussagen. Sie sollen vor allem auch Angaben dazu machen, wie ihre Tochter die Entführung verkraftet hat. Das Urteil wird bereits für den 5. August erwartet.