Ostbahnhof

Brennende Lok legt Bahnverkehr in Berlin lahm

Wegen einer brennenden Lok musste am Nachmittag der komplette Ostbahnhof geräumt werden. Menschen kamen nicht zu Schaden. Der Zugverkehr auf der Berliner Ost-West-Trasse war unterbrochen - fast zwei Stunden lang.

Eine brennende Lokomotive eines mit mehreren hundert Fahrgästen fast voll besetzten Regionalzuges hat am Dienstagnachmittag für ein Chaos im Bahnverkehr gesorgt. Der Brand ereignete sich im Ostbahnhof in Friedrichshain, einem wichtigen Knoten im Regional- und Fernverkehr auf der Ost-West-Trasse. Die Bahnsteige wurden von der Bundespolizei komplett geräumt, der Bahnverkehr blieb fast zwei Stunden lang unterbrochen.

Während die S-Bahn überhaupt nicht fahren konnte, wurden die Fern- und Regionalzüge teilweise umgeleitet. Tausende Reisende waren davon betroffen.

Regionalzug voll besetzt

Verletzt wurde durch das Feuer niemand. Auch der Fahrer des Unglückszugs kam mit dem Schrecken davon. Weil es sich um einen geschobenen Zug handelte, befand der Fahrer sich bei Ausbruch des Brandes im Steuerwagen an der Spitze des Zuges, die 82 Tonnen schwere Elektro-Lok war an dessen Ende angekoppelt.

Um 15.34 Uhr hatte der Lokführer kurz nach der Einfahrt des Regionalexpress der Linie RE1 (Frankfurt (Oder)-Brandenburg (Havel)) auf Gleis 7 bemerkt, dass sich Rauch entwickelte, wenig später alarmierte er die Feuerwehr. Binnen weniger Minuten stand die E-Lok der Baureihe 114 nach Augenzeugenberichten lichterloh in Flammen. Das Feuer griff von der Lokomotive zudem auf einen der insgesamt fünf Doppelstockwaggons über, der ebenfalls beschädigt wurde. Unter dem Bahnhofsdach bildeten sich zudem große Hitze und dichter schwarzer Qualm. Eine gewaltige Rauchsäule stieg über Friedrichshain auf und war weithin zu sehen. Ungeachtet des Vorfalls blieben die Haupthalle des Bahnhofs und die darin befindlichen Geschäfte weiter geöffnet.

Etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Brand im Bahnhof zu löschen. 50 Beamte der Bundespolizei evakuierten den Bahnhof und sicherten die Unglücksstelle. Erst gegen 16.50 Uhr hatte die Feuerwehr die Flammen gelöscht. Aufgrund des Einsatzes musste der gesamte Zugverkehr auf der Stadtbahn ab 15.50 Uhr für fast zwei Stunden unterbrochen werden. Die Züge der Regionalexpress-Linien RE2 und RE7 sowie der Regionalbahn-Linie 14 wurden in dieser Zeit über Lichtenberg umgeleitet. Der RE1 fuhr vom Westen kommend nur bis Friedrichstraße, aus Osten nur bis Erkner. Fernzüge mit dem Ziel Ostbahnhof fuhren nur bis zum Hauptbahnhof. Der S-Bahn-Verkehr auf den Linien S3, S5, S7 und S75 wurde zwischen Friedrichstraße und Warschauer Straße unterbrochen. Einen Ersatzverkehr gab es nicht. Den Fahrgästen empfahl die Deutsche Bahn, mit Bussen und U-Bahnen der BVG weiterzufahren. Das hatte zur Folge, dass insbesondere die Züge der U5 völlig überfüllt waren.

Erst um 17.22 Uhr konnte der erste S-Bahnzug wieder im Ostbahnhof halten. Der Unglückszug sollte bis zum Abend aus dem Bahnhof geschleppt und zur weiteren Untersuchung in eine Werkstatt gebracht werden. Bis dahin sollten die Bahnsteige 7 und 8 gesperrt bleiben. Daher konnten auch stadtauswärts fahrende S-Bahnen vorerst nicht im Ostbahnhof halten.

Oberleitung verkohlt

Zur Brandursache und zur Schadenshöhe konnte der Bahnsprecher zunächst keine Angaben machen. Denkbar ist etwa ein Kurzschluss in der Elektrik. Spezialisten des Eisenbahn-Bundesamtes sind mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt, bestätigte Heike Schmidt, Sprecherin der Aufsichtsbehörde.

Die E-Lok 114-009 ist komplett ausgebrannt, ein Waggon wurde ebenfalls durch den Brand schwer beschädigt. Die Oberleitung über Gleis 7 des Ostbahnhofs war so verkohlt, dass eine schnelle Reparatur zunächst nicht möglich war. Die Unglückslok gehört zur Baureihe 114, mit der sehr viele Züge im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg bespannt sind. Sie wurde von 1990 vom 1994 im Lokomotivwerk Hennigsdorf gebaut, das heute dem Schienenfahrzeughersteller Bombardier gehört. „Die Lokomotive ist sehr robust und zuverlässig. Ein ähnlicher Vorfall mit diesem Typ ist mir nicht bekannt“, sagte der Bahnsprecher.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Diesellok eines Regionalexpress im Hamburger Hauptbahnhof Feuer gefangen. Ursache war nach ersten Erkenntnissen ausgelaufenes Öl, das sich entzündet hatte. Bereits vor einem Monat hatte ein Brand an einer Lok einen mit 500 Fahrgästen besetzten Intercity von Hamburg nach Sylt gestoppt. In Berlin liegt der letzte Fall länger zurück. 2009 brannte ein ICE-Triebwagen im Bahnhof Spandau. Ursache war da ein Kurzschluss. Menschen kamen in allen Fällen nicht zu Schaden.