U-Bahnhof Friedrichstraße

Neue Bilder zeigen Minuten vor Torben P.s Attacke

Der RBB hat bislang unveröffentlichtes Videomaterial vom gewalttätigen U-Bahn-Angriff des 18-jährigen Torben P. gezeigt. Darin ist zu sehen, wie es zur Eskalation kam. Das Opfer soll am Streit nicht unschuldig sein.

Die brutale Prügel-Attacke auf einen 29-Jährigen am 23. April im Bahnhof Friedrichstraße hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Eine Überwachungskamera filmte, wie der 18-jährige Torben P. zuerst mit seinem späteren Opfer Markus P. heftig stritt und ihn anschließend niederschlug. In grausamer Deutlichkeit zeigt der Videoausschnitt weiter, wie Torben P. seinem mittlerweile bewusstlosen Opfer mehrfach gegen den Kopf tritt. Erst nachdem ein Tourist aus Bayern einschritt, ließ Torben P. von seinem Opfer ab.

Am Sonntagabend zeigte die RBB-„Abendschau“ bislang unveröffentlichte Videosequenzen, die die Vorgeschichte der Tat zeigen. Darin ist zu sehen, dass das spätere Opfer, Markus P., an der Entstehung der Auseinandersetzung nicht ganz unbeteiligt gewesen zu sein scheint, was allerdings die Brutalität von Torben Ps. Handlungen in keiner Weise relativiert. Die Aufnahmen zeigen zunächst, wie Torben P. und sein Komplize stark betrunken auf dem Bahnhof Friedrichstraße stehen.

In einer weiteren Szene setzt sich Markus P. – offenbar ebenfalls betrunken – auf eine Bank. Eine spätere Sequenz zeigt, wie der mutmaßliche Mittäter Markus P. auf der Bank anpöbelt. Markus P. springt anschließend auf und nimmt eine Pose mit einer Drohgebärde ein. Im Anschluss schubsen sich Täter und Opfer mehrere Male auf dem Bahnsteig, bis Torben P. zum folgenschweren Schlag ausholt.

Der Anwalt des mutmaßlichen Mittäters von Torben P., Thorsten Bieber, kritisiert in der „Abendschau“, dass diese Videosequenzen nicht veröffentlicht wurden. Seiner Ansicht nach belegen sie, dass das Opfer „nicht unbeteiligt“ gewesen sei. „Das spätere Opfer springt auf und nimmt die verbale Auseinandersetzung an“, so Bieber. Seiner Meinung nach habe Markus P. damit angefangen, die „Auseinandersetzung körperlich werden zu lassen“.

Die Staatsanwaltschaft hingegen verteidigt die Vorgehensweise. „Wir hatten in einer Eilsituation über effektive Fahndungsmaßnahmen zu entscheiden“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth, am Sonntagabend der Berliner Morgenpost. „Uns ging es nicht um eine lückenlose Darstellung der Tat.“ Aufgrund des Zeitdrucks habe man sich dann für die Szene entschieden, die am aussagekräftigsten gewesen sei, so Herbeth. Kurz nach der Tat stellte sich Torben P., nicht zuletzt wegen des großen Fahndungsdrucks, der Polizei. Am 23. August wird vor der Jugendkammer des Landgerichts der Prozess beginnen. Torben P. ist wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.