Bombenentschärfung

Tempelhofer müssen ihre Wohnungen verlassen

Am Vormittag wird auf dem Gelände eines Tempelhofer Bauprojektes eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Rund 2000 Anwohner mussten vorsorglich ihre Wohnungen verlassen.

Foto: Steffen Pletl

Am heutigen Sonntagmorgen soll in Berlin-Tempelhof eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Die 100-Kilogramm-Bombe russischer Herkunft war am Freitagnachmittag gegen 14.30 Uhr auf dem Grundstück Bäumerplan 14g entdeckt worden. Ein Baggerfahrer war bei Schachtarbeiten für ein Wohnbauprojekt auf den Blindgänger gestoßen. Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes untersuchten den Fund und entschieden, dass die Fliegerbombe an Ort und Stelle unschädlich gemacht werden muss.

Teile des Wohngebietes zwischen Tempelhofer Damm und General-Pape-Straße müssen vorsorglich von 9 Uhr an evakuiert werden. Eine Stunde später soll die Entschärfung beginnen. Zuvor wird ein Sperrkreis in einem Umkreis von 250 Metern um den Fundort eingerichtet. Anlieger und Besucher des Ortsteils müssen nach Polizeiangaben mit Evakuierungs- und weiteren Absperrmaßnahmen rechnen. Voraussichtlich werden folgende Straßenzüge direkt betroffen sein: die Straße Bäumerplan, die Gontermannstraße, Wüsthoffstraße und die Udetzeile in voller Länge. Darüber hinaus sind Teile des Loewenhardtdammes und der Boelckestraße von den Evakuierungsmaßnahmen betroffen. Die Polizei weist darauf hin, dass darüber hinaus kurzfristige Änderungen und weitere Sperrungen erforderlich sein können.

Das unweit des Fundorts gelegene St. Joseph-Krankenhaus wird nach Angaben der Polizei nicht geräumt werden müssen, da sich die Stationsbereiche der Klinik einschließlich des Geburtshauses hinter einem Bürogebäudetrakt befinden. Allerdings werde die Notaufnahme vorübergehend geschlossen, sagte eine Polizeisprecherin. Nur für hochschwangere Frauen unmittelbar vor der Entbindung sei dann eine Aufnahme möglich. Und: Von 10 bis 16 Uhr sind keine Krankenbesuche in der Klinik möglich.

Derzeit gehe von der Fliegerbombe keine Gefahr aus. Sie ist mit Erde bedeckt worden, Polizeibeamte sichern zudem die Fundstelle vor unbefugtem Betreten.

Sämtliche Anwohner innerhalb der Sperrzone wurden bereits am Sonnabend von Polizeibeamten mit Flugblättern über die vorgesehene Entschärfung informiert. Die Betroffenen wurden aufgefordert, ihre Wohn- und Geschäftsräume bis spätestens 9 Uhr zu verlassen und sich bis zum Ende der Entschärfung außerhalb des Sperrkreises aufzuhalten. Je nach Fortschritt der Arbeiten soll die Evakuierung voraussichtlich bis zum frühen Nachmittag dauern.

Die Polizei hat für alle Betroffenen ein Info-Telefon geschaltet. Unter der Rufnummer (030) 4664–444750 geben Beamte des Abschnitts 44 am heutigen Sonntag ab 8.30 Uhr Auskünfte über den aktuellen Stand der Bombenentschärfung.

In den vergangenen Wochen mussten Kriminaltechniker in Berlin mehrfach Fliegerbomben entschärfen. Vor gut zwei Wochen erst hatten 400 Anwohner in der Nähe des S-Bahnhofs Köpenick ihre Häuser zu verlassen, nachdem ein Baggerfahrer an der Borgmannstraße bei Arbeiten für ein neues Einkaufszentrum auf eine 250-Kilo-Bombe gestoßen war. Im Zehlendorfer Zentrum waren innerhalb von sechs Wochen zweimal jeweils 5000 Menschen von mehrere Stunden dauernden Evakuierungen betroffen. Mitte Mai und Ende Juni waren an der Königstraße und an der Hohenzollernstraße jeweils 250-Kilo-Fliegerbomben von Bauarbeitern entdeckt worden. Und am 27. Mai hatte der Fund einer Fliegerbombe an der Oberbaumbrücke das öffentliche Leben in weiten Teilen Kreuzbergs und Friedrichshains lahm gelegt, als bei Reparaturarbeiten des Spreeufers ein Sprengkörper aus dem Fluss gefischt worden war.

Experten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schätzen, dass heute noch 3000 bis 4000 Bomben und Granaten unentdeckt im Stadtgebiet liegen. Im Zweiten Weltkrieg waren insgesamt rund 440.000 Bomben auf Berlin geworfen worden, von denen zahllose nicht detoniert sind. Seit Kriegsende 1945 wurden mehr als 7300 Blindgänger gefunden und entschärft, allein 240 seit der Wiedervereinigung. Die meisten Bomben werden innerhalb des Berliner S-Bahnrings entdeckt.