Abgeordnetenhauswahl

FU-Forscher glaubt nicht an Sieg von Künast

Nach Meinung des FU-Politologen Oskar Niedermayer wird sich die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast bei der Wahl im September nicht gegen Klaus Wowereit (SPD) durchsetzen können. Er sieht für sie nur eine Chance.

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Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast hat nach Ansicht des Berliner Wahlforschers Oskar Niedermayer kaum Chancen, die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 18. September zu gewinnen. „Nach allen jetzt bekannten Fakten glaube ich persönlich, dass die SPD erneut die stärkste Partei werden wird“, sagte der Politikprofessor von der Freien Universität.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sei bei den Berlinern so beliebt, dass es für jeden Herausforderer generell extrem schwierig sei, ihn abzulösen. „Solange Wowereit kandidiert, kann ihm niemand gefährlich werden, solange er keine dramatischen Fehler macht“, sagte Niedermayer. „Und ich glaube nicht, dass er die bis zur Wahl macht.“

Die ursprünglichen Sympathiewerte für die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag im vergangenen Herbst seien überhöht gewesen, sagte Niedermayer. „Den Grünen ist es da vor der offiziellen Kandidatur von Künast sehr geschickt gelungen, einen mächtigen Medienhype und einen Spannungsbogen über mehrere Monate zu erzeugen“, so der Politologe. „Der hat dazu geführt, dass Künast damals auf Augenhöhe mit Wowereit war.“

Im Berlin-Trend von Infratest Dimap lagen die Grünen bei der Nominierung von Renate Künast im November mit 30 Prozent sogar vor der SPD. Seither haben sie jedoch von Monat zu Monat an Zustimmung verloren. Zuletzt ergab der Berlin-Trend für sie 24 Prozent, während die SPD Anfang Juli bei 29 Prozent lag.

Im Moment von Künasts Nominierung sei der Spannungsbogen zusammengebrochen, sagt Niedermayer. Zudem habe Künast mit ihren ersten Berlin-spezifischen Äußerungen zum Hauptstadtflughafen oder zu Tempo-30-Zonen Fehler gemacht, wodurch sie deutlich Sympathien eingebüßt habe, sagte Niedermayer. Auch die kürzliche Alkoholfahrt ihres Wahlkampfmanagers habe den Grünen geschadet. Doch das sei vermutlich bis zur Wahl vergessen.

Eine wenn auch geringe Chance gegen die SPD hätten die Grünen sowie CDU, Linke und FDP aufgrund der heute sehr hohen Flexibilität der Wähler. „Ein nicht unerheblicher Teil der Wähler entscheidet meist erst am Wahltag, ob er wählen geht, und wen er wählt.“ Künast dürfe nicht den Fehler machen, „in eine Art Sympathiewettbewerb mit Wowereit treten zu wollen“, warnte der Wahlforscher. Das wisse Künast aber auch selbst. „Wowereit kommt als Persönlichkeit sehr sympathisch rüber. Und er vermag es, den Leuten das Gefühl zu vermitteln, dass er am besten zur Stadt passt.“

„Die einzige Chance für Künast ist, dass man sie als sachkompetent und glaubwürdig wahrnimmt. Sie muss deutlich machen, mit welchen Berlin-spezifischen Themen sie inhaltlich verbunden ist, und sie muss diese glaubwürdig rüberbringen“, empfahl Niedermayer. Dazu zähle der Marken- und Identitätskern der Grünen: Umwelt und Atomausstieg. Das hätten die Grünen mit ihrem Ziel, Berlin zur Klima-Hauptstadt zu machen, schon aufgegriffen. „Doch das darf nicht das einzige Thema sein. Künast hat ihre Programmatik schon erweitert und geht stark auf die Wirtschaft zu“, sagte Niedermayer. Das Versprechen von 100.000 neuen Arbeitsplätzen gehe in die Richtung.