Familienehre

Messerangriff auf Geliebten der Schwester

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Zu dreieinhalb Jahren Haft wurde ein 23-Jähriger Berliner verurteilet, der den Geliebten seiner erst 16-jährigen Schwester mit einem Messer attackiert hatte. Es sei ihm nicht um die Ehre gegangen, er habe vielmehr befürchtet, seine Schwester würde über den Freund in Drogengeschäfte verwickelt.

Nach einem Messerangriff auf den Geliebten seiner 16-jährigen Schwester muss ein arabischstämmiger Berliner dreieinhalb Jahre in Haft. Das Berliner Landgericht verurteilte den 23-Jährigen am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Anklage eines Mordversuchs hatte sich im Prozess nicht bestätigt. Die Brüder hätten zunächst töten wollen, seien dann aber von der Tat zurückgetreten, so das Gericht. Ein 18 Jahre alter Bruder und ein 24-jähriger Freund erhielten jeweils zweieinhalb Jahre Haft. An dem Überfall in der Nacht zum 11. November 2010 hatten sich beide beteiligt. Der 19-jährige Freund des Mädchens wurde leicht verletzt.

Nach Überzeugung der Anklägerin wollte der 23-Jährige, der für den erblindeten Vater die Rolle des Familienoberhauptes übernommen habe, die nicht erwünschte Beziehung verhindern. Er habe die Schwester geschlagen und unter Todesandrohungen gezwungen, ihren Freund zu einem Treffen zu locken. Als der 19-Jährige am Gesundbrunnencenter im Stadtteil Wedding eintraf, sei er zu Boden geschlagen worden. Der

23-Jährige habe das Messer gezogen um zu töten, sagte die Staatsanwältin. Ein Freund der Familie, den der besorgte Vater zum Tatort geschickt habe, griff ein. Aus nicht zu klärenden Gründen, so die Anklägerin, ließen die drei vom Opfer ab.

Noch in der Nacht hatte die Polizei das völlig verängstigt wirkende Mädchen zu Hause abgeholt und in ein Frauenhaus gebracht. Im Prozess schwieg die 16-Jährige. Ihr Freund hatte frühere Beschuldigungen vor Gericht zurückgezogen. Der 19-Jährige habe 1800 Euro Schweigegeld kassiert, erklärte die Staatsanwältin den Sinneswandel. Aus Sicht der Verteidigung gab es keine Tötungspläne, die Anwälte beantragten Bewährungsstrafen. Die Angeklagten haben sich bei dem Paar entschuldigt. „Es ging mir nicht um die Ehre“, betonte der 23-Jährige. Er habe befürchtet, dass die Schwester über ihren Freund in Drogengeschichten verwickelt wird.

( dpa/nbo )