Katholische Kirche

Rainer Maria Woelki wird neuer Berliner Erzbischof

Der Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki wird Erzbischof von Berlin. Das teilte der Vatikan am Sonnabend mit. Der 54-Jährige tritt die Nachfolge des verstorbenen Erzbischofs, Georg Kardinal Sterzinsky, an.

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Ihn hatte kaum einer auf der Rechnung: Für viele überraschend ist der Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki von Papst Benedikt XVI. zum neuen Erzbischof von Berlin ernannt worden. Er folgt Georg Kardinal Sterzinsky nach, der am Donnerstagmorgen im Alter von 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Berlin gestorben war. Seit dem Rücktritt Sterzinskys im Februar leitet der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich als Diözesanadministrator das Erzbistum. Zeitgleich mit der Bekanntgabe in Rom informierte Dompropst Stefan Dybowski am Samstag in Berlin über die Entscheidung.

Woelki wurde auf Vorschlag des Berliner Domkapitels zum Oberhirten für rund 400.000 Katholiken in Berlin sowie Teilen von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ernannt. Der 54-Jährige soll am Dienstag (5. Juli 2011) im Erzbischöflichen Ordinariat auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Da die katholische Spitzenposition in der Bundeshauptstadt traditionell mit dem Kardinalstitel verbunden ist, bedeutet die Berufung für den gebürtigen Kölner einen doppelten Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie.

Dem Kölner Domradio sagte der künftige Berliner Erzbischof am Sonnabend, er sei von der Entscheidung des Berliner Domkapitels, das ihn gewählt habe, „völlig überrascht“ worden. Er habe sich erst nach „langer Überlegung“ dazu entschlossen, die Wahl anzunehmen. Er sehe es auch als Berliner Erzbischof als seinen Auftrag an, „den Menschen von Gott zu erzählen“.

Berlin dankt dem Papst für die Entscheidung

Der Domprobst des Metropolitankapitels von Sankt Hedwig zu Berlin, Stefan Dybowski, dankte dem Papst für die Ernennung von Woelki zum neuen Erzbischof. Wir „heißen ihn mit offenen Armen willkommen“, so Dybowski, der die Ernennung am Samstagmittag nach dem Angelus-Gebet in der St. Hedwigs-Kathedrale bekannt gegeben hatte. Dabei erinnerte er an den Wahlspruch des neuen Erzbischofs „Wir sind Zeugen“. Dieser verbinde ihn mit dem am Donnerstag verstorbenen Kardinal Georg Sterzinsky. „Als treuer Zeuge hat Kardinal Sterzinsky Gott in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt. Als Zeuge wird auch der neue Erzbischof bei uns die frohe Botschaft der Liebe Gottes verkünden“, so der Domprobst.

Termin für Amtseinführung steht noch nicht fest

Der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich zeigte sich erfreut, „dass wir endlich einen Erzbischof haben – auch in einer für römische Verhältnisse relativ kurzen Zeit“. Zu der Frage, ob der neue Erzbischof noch vor dem Papstbesuch in sein Amt eingeführt werde, sagte Heinrich: „Wir hoffen und gehen davon aus, dass dies möglich ist. Das ist ja der Sinn dieses schnellen Verfahrens gewesen, dass der Papst, wenn er kommt, einen Bischof vorfindet.“ Am 22. September 2011 ist das Bistum erste Station der Deutschlandreise von Papst Benedikt XVI. Er wird eine Messe im Berliner Olympiastadion halten.

Rainer Maria Woelkis Werdegang

Woelki verbindet ein besonderes Verhältnis zum Kölner Kardinal Joachim Meisner. Er machte ihn 1990 zu seinen persönlichen Sekretär. Dieses Amt übte Woelki sieben Jahre lang aus, bevor ihn Meisner in eine andere Vertrauensstellung berief; nämlich zum Direktor des Collegium Albertinum in Bonn, wo die Priesterkandidaten des Erzbistums während ihrer Studienzeit auf ihr Leben als Geistliche vorbereitet werden. 2003 folgte dann die Ernennung zum Weihbischof durch Papst Johannes Paul II. In der Erzdiözese hat Woelki die Seelsorgeverantwortung für den Pastoralbezirk Nord, zu dem die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf gehört.

Während sein Förderer Meisner 1989 von Berlin nach Köln wechselte, wird nun der wanderbegeisterte Woelki genau in Gegenrichtung die Reise vom Rhein an die Spree antreten. Nach eigenem Bekunden erlebte der neue Hauptstadt-Erzbischof als Kind und Jugendlicher noch eine „heile Welt der katholischen Kirche“. In seinem künftigen Wirkungskreis im Osten, in der Metropole Berlin sowie in Brandenburg und Vorpommern, erwartet den eher zurückhaltend und bedächtig auftretenden Geistlichen das völlige Gegenteil. Dort ist nur eine Minderheit kirchlich gebunden.

Aber auch im „heiligen Köln“ hat Woelki die Erfahrung gemacht, dass der Glaube längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. „Wir Christen werden weniger und die Säkularisierung wird voranschreiten“, so seine nüchterne Analyse. Für ihn ist das alles aber kein Grund zur Resignation. Für die Kirche komme es umso mehr darauf an, „ein ganz entschiedenes Christentum“ zu leben – was ganz seinem bischöflichen Wahlspruch „Wir sind Zeugen“ entspricht.

Große Hoffnung setzt Woelki, der im Jahr 2000 an der vom Opus Dei geleiteten „Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz“ in Rom mit einer Arbeit über die Bedeutung der Pfarrei promovierte, auf kleine „Gemeinschaften des Glaubens“. Sie sollen „aus einer tiefen Christus- und Gottesfreundschaft heraus“ den gemeindlichen Alltag und den Lebensalltag der Menschen mitgestalten. Wegen seiner Dissertationsarbeit spekulieren kirchliche Kreise über seine mögliche Mitgliedschaft beim Opus Dei. Die konservative Vereinigung unterhält die römische Universität und soll über gute Kontakte zu Woelkis Mentor Meisner verfügen.

Woelki, der in Bonn und Freiburg studierte, hatte eigentlich vor, „als ganz normaler Pastor“ zu arbeiten und mit einer Gemeinde zu leben. Dass es ganz anders gekommen ist, wertet er als Gottes Wille. „Einen solchen Weg plant man nicht“, sagte er vor einiger Zeit, damals noch als Weihbischof. Er habe sich „zu keiner Aufgabe gedrängt“.

In Berlin betritt er nun auch das mitunter glatte Parkett der Politik und der Medienwelt. Dort wird er besonders zu ethischen Fragen verständlich und klar Stellung beziehen müssen. In der Bundeshauptstadt dürfte sich der Fan des 1. FC Köln nicht völlig in der Fremde fühlen. Denn dort haben sich seit dem Umzug von Parlament und Regierung schon etliche tausend Rheinländer angesiedelt.

Glück- und Segenswünsche kommen aus Köln

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Kölner Kardinal Joachim Meisner haben neu ernannten Berliner Erzbischof ihre Glück- und Segenswünsche übermittelt. Zollitsch betonte in einem persönlichen Schreiben, dass Woelki als „Hauptstadtbischof“ vor besonderen Herausforderungen stehe, „wenn es gilt den Glauben in einem säkularisierten Umfeld zu vermitteln“. Hierbei stelle der Besuch von Papst Benedikt XVI. im September in Berlin „eine große Chance dar“, so Zollitsch.

Der Kölner Erzbischof äußerte seine Freude über das große Vertrauen, das der Papst gegenüber dem Weihbischof zum Ausdruck bringe. Zugleich bekundete er sein Bedauern, dass Woelki sein Bistum nun verlassen werde. „Sein tiefer Christusglaube, seine vielfachen Begabungen und seine reichen Seelsorgserfahrungen auf vielen Gebieten des kirchlichen Lebens werden ihm helfen, sich schnell und kompetent in Berlin einzuarbeiten“, so Meisner.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, er freue sich, dass die Entscheidung über die Nachfolge des verstorbenen Kardinals Sterzinsky gefallen sei. „Ich biete dem neuen Erzbischof eine gute Zusammenarbeit an.“