Putschversuch im Luxushotel

Adlon-Anleger wollen Jagdfeld aus Fonds verjagen

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Weil er die Gewinne des Luxushotels für die Kreditumschuldung sparen will, lässt Anno August Jagdfeld, Chef der Adlon-Holding, seine Anleger leer ausgehen. Deswegen planen diese nun seinen Weggang. Jagdfeld sieht eine Kampagne gegen sich.

Eine Gruppe von unzufriedenen Anlegern will den Unternehmer Anno August Jagdfeld aus der Führung der Fondsgesellschaft des Berliner Nobel-Hotels Adlon drängen. Etwa 200 der insgesamt 4400 vermögenden Privatinvestoren, die hohe Beträge in den Wiederaufbau des Luxus-Hotels am Pariser Platz gesteckt haben, planen, Jagdfeld als persönlichen haftenden Gesellschafter am 26. August abzuwählen. Morgenpost Online beruft sich auf die vorliegende Einladung zu der Gesellschafterversammlung. Darin gibt es einen Tagesordnungspunkt über eine Abstimmung zum Verbleibs Jagdfelds.

Anleger hatten immer wieder den Pachtverzicht für die Adlon-Holding kritisiert, die von einem Sohn Jagdfelds geleitet wird. Sie betreibt im Adlon Gastronomie-Betriebe, darunter den renommierten China-Club. Teure Umbauten und die Wirtschaftskrise hatten zu Umsatzausfällen geführt. Der zweite Hauptkritikpunkt ist der Ausfall von Ausschüttungen an die Anleger.

Eine vom Berliner Rechtsanwalt Thomas Fritsch organisierte „Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger“ will an Stelle von Jagdfeld eine „Grandhotel Lorenz A. Verwaltungsgesellschaft“ installieren. Deren Geschäftsführer Burkhard Grunzke und Dietmar Thiele sollen dann die Verwaltung der Immobilie kontrollieren. Der Hotelbetrieb durch die Kempinski-Gruppe, mit der ein langjähriger Pachtvertrag besteht, ist davon nicht betroffen. Grunzke und Thiele haben ihre Gesellschaft bereits in das Handelsregister eintragen lassen. Das Gesellschaftskapital beträgt lediglich 25.000 Euro.

„Es ist für mich eine größere Freude, mit zufriedenen Anlegern zusammenzuarbeiten“, sagte Jagdfeld zu Morgenpost Online. „Bei manchen Anlegern haben sich Unmut und Enttäuschung entwickelt, für die ich menschlich sehr viel Verständnis habe. Ich kann die Kritik verstehen, wenn die Anleger auf ihre erwarteten Renditen pochen. Doch es ist sinnvoller, dass die erwirtschafteten Gewinne – aktuell mehr als 14 Millionen Euro – bis zum Jahr 2016 angespart werden, wenn die Umschuldung eines Kredits der Credit Suisse im Volumen von 160 Millionen Euro ansteht. Ich haben den Anlegern vorgeschlagen, einige Jahre auf ihre Ausschüttungen zu verzichten“, so Jagdfeld weiter. „Das ist auch vom überwiegenden Großteil der Gesellschafter immer wieder so beschlossen worden. Wenn jetzt ein Diskussionsbedarf entstanden ist, dann kann man offen am 26. August darüber reden.“

Jagdfeld erinnerte daran, dass „die Wirtschafts- und Finanzkrise mit einer geringeren Auslastung auch dem Adlon geschadet“ hat, „sodass auch der Hotelbetrieb und die Gastronomie einige Zeit nicht die erhofften Ergebnisse erzielen konnten. Hinzu kommt, dass in Berlin durch unerwartet zahlreiche Wettbewerber im Fünf-Sterne-Plus-Bereich ein erheblicher Preisdruck entstanden ist. In keiner europäischen Hauptstadt ist es günstiger, sich in ein Luxus-Hotel einzumieten.“

Ab dem nächsten Jahr solle die Adlon Holding, die die gastronomischen Einrichtungen betreibe, wieder „ihre festgelegte Pacht an die Fondsgesellschaft zahlen. Die ausstehende Pacht der letzten Jahre soll im Rahmen eines Besserungsscheins nachgezahlt werden. Das war immer unstrittig und wird von den selbst ernannten Anlegerschützern falsch und rufschädigend dargestellt", betonte der Immobilienunternehmer.

Jagdfeld weiter: „Rechtsanwalt Fritsch führt eine Rufmordkampagne gegen mich, trifft damit aber das Adlon und seine Anleger. Ihm geht es nur um das lukrative Geschäft mit verunsicherten Anlegern. Seine Vorhaltungen sind eine perfide Propaganda. Gegen einige haben wir vor Gericht einstweilige Verfügungen erwirkt. Dieser Anwalt schädigt das Adlon und seine Anleger massiv.“ „Der Vorwurf, nur meine Familie und meine Firmen hätten beim Neubau und Betrieb des Adlon verdient, ist schlicht falsch und absurd.“