Kunstruine

Abriss-Bagger fährt am Kunsthaus Tacheles vor

Der Kampf um das Berliner Kunsthaus Tacheles geht in eine neue Runde. Am Mittwochmorgen rückte dort ein Bagger an.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Am Mittwochmorgen ist am Berliner Kunsthaus Tacheles ein Bagger vorgefahren. Er sollte einen Teil des Komplexes, den sogenannten Hüttenmarkt, abreißen, sagte ein Polizeisprecherin. Ob es dafür die erforderliche Baugenehmigung gebe, werde noch geprüft. Das Tacheles, eine für unterschiedlichste Kunstaktionen genutzte Kaufhausruine, soll wegen der Schieflage des bisherigen Besitzers zwangsversteigert werden.

Einige Tacheles-Aktivisten sprachen von Hausfriedensbruch. „Die Hütten gehören nicht einzelnen Personen. Das ist Kollektivbesitz“, sagte Anwalt Hans Erlenmeyer, der einen Teil der Tacheles-Besetzer vertritt. Er erwog Strafanzeige zu stellen.

Die Künstler des von der Zwangsversteigerung bedrohten Kunsthauses wollen am 9. Juli aus Protest vor das Rote Rathaus in Mitte ziehen. Die Parade beginne in Kreuzberg und solle zum Tacheles und dann zum Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) führen, sagte eine Sprecherin des Tacheles Vereins am Mittwoch. Am 2. Juli veranstaltet der Verein electrocult zusammen mit dem Kunsthaus Tacheles die zweite „We Support Tacheles“-Party. Dabei soll Geld für einen Rechtshilfefonds der Stiftung Tacheles gesammelt werden.

Während Tacheles-Besetzer am Nachmittag davon berichteten, an der Kaufhausruine würden illegal Gebäudeteile eingerissen, wies die Sprecherin des Tacheles Vereins die Darstellungen, dass weitere Teile der Freifläche hinter dem Gebäude geräumt worden seien, zurück. „Es wurde nichts abgerissen, was als Kunstort benutzt wird.“ Vielmehr seien verkaufte Kunstobjekte abgeholt worden, sagte sie.

Das 1990 besetzte Kunsthaus sowie weitere Grundstücke an der Oranienburger Straße sollen zwangsversteigert werden. Ursprünglich war die Versteigerung bereits für den 4. April 2011 angesetzt. Der Termin wurde aber kurzfristig abgesagt. Als Grund führte der Gläubiger, die HSH Nordbank, an, dass die Verhandlungen mit diversen Interessenten nicht rechtzeitig zum Abschluss hätten gebracht werden können. Ein neuer Termin steht bislang nicht fest.

Einen Tag nach der abgesagten Versteigerung hatte ein Teil der Nutzer gegen Zahlung von einer Million Euro das Gebäude verlassen.