Oberbaumbrücke

Bombe legt Kreuzberg und Friedrichshain lahm

Wieder ist eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Berlin entdeckt worden. Diesmal stießen Arbeiter bei der Sanierung des Spreeufers an der Oberbaumbrücke auf den Sprengsatz. Umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen laufen, ein Verkehrschaos droht.

Bei Sanierungsarbeiten am Spreeufer haben Bauarbeiter am Donnerstagmorgen gegen 10 Uhr in unmittelbarer Nähe zur Oberbaumbrücke in Kreuzberg eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Wegen einer Weltkriegsgranate, die bereits vor einigen Tagen unweit der Fundstelle gefunden wurde, hatten Munitionsbergungsexperten die Arbeiten bereits beobachtet. Als der Bagger dann die Bombe freilegte, seien die Maßnahmen sofort gestoppt worden, hieß es. Der Baggerführer legte dann den Sprengkörper auf einem am Ufer liegenden Schubkahn ab.

Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchten den brisanten Fund. Wegen des noch aktiven Zünders muss die britische Bombe vor Ort entschärft werden. Vor der geplanten Entschärfung wurde rund um den Fundort ein Sperrkreis von zunächst etwa 1000 Metern gezogen. Umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen wurden sofort eingeleitet. Tausende Anwohner sowie Geschäfte und Büros sind davon betroffen. Erste Bewohner der umliegenden Häuser mussten bereits am Mittag ihre Wohnungen verlassen. In der unmittelbaren Nähe liegen auch das Schiffshostel "Hotel Boat" und das "Eastern Comfort Hostel", die beide geräumt werden müssen. Auch Gäste und Angestellte des Backpacker-Hostels "Industriepalast" an der Warschauer Straße mussten das Gebäude verlassen.

Auch die Gebäude von Universal, in dem sich auch eine Kindertagesstätte befindet, und MTV an der Stralauer Alle sind von der Evakuierung betroffen. Bereiche der Warschauer Straße und der Mühlenstraße bis zur Veranstaltungshalle O2 World gehören ebenfalls zur Sperrzone.

Die Buslinie 265 ist zwischen Manteuffelstraße und Treptower Park unterbrochen. Die Buslinie 347 wurde auf Friedrichshainer Seite über Modersohnstraße und Revaler Straße umgeleitet. Die Straßenbahnlinie M10 wird voraussichtlich eine Station vor der Endstation Warschauer Straße halten. Die Halbinsel Stralau ist damit praktisch vom Nahverkehr abgeschnitten.

Nach Angaben der BSR mussten auch die Mitarbeiter des Reinigungshofes und des Kundenzentrums das Gelände an der Mühlenstraße 8 verlassen. In Friedrichshain wurde eine Schule bereit gestellt, um die Menschen aufzunehmen.

Auf der Kreuzberger Seite der Spree liegt der Sperrkreis allerdings nur bei etwa 400 Metern und reicht bis zum nördlichen Rand der Schlesischen Straße zwischen Pfuel- und Cuvrystraße. Die Modersohn- und die Manteuffel-Schule wurden als Notquartiere für die Anwohner zur Verfügung gestellt. Ab 13 Uhr begannen rund 200 Polizeibeamte damit, die Straßen im Sperrgebiet abzugehen und mit Lautsprecherdurchsagen die Bewohner zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern, sagte Polizeisprecher Michael Maaß. Die Bombe soll dann gegen 16 Uhr entschärft werden.

Ab 13 Uhr durfte niemand mehr die Oberbaumbrücke passieren. Sie ist eine der wichtigsten Verkehrsverbindung zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, Autofahrer sollten das Gebiet weiträumig meiden, da mit einem Verkehrschaos zu rechnen ist.

Zudem wurden die Strom- und Gasleitungen im Brückenbereich abgestellt. Die vier Trinkwasserleitungen werden nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe zurzeit noch offen gehalten, können aber im Notfall ebenfalls gekappt werden. Ein Einsatzteam war für diesen Fall vor Ort. Auch der Schiffsverkehr ab der Mühlendammschleuse wurde unterbrochen. Die U-Bahnlinie 1 endet am Görlitzer Bahnhof.

Der Verkehr der U-Bahnlinie U1 wurde nach dem Fund der Bombe zeitweise unterbrochen. Die Züge fuhren aus Richtung Westen kommend nur bis zum Bahnhof Kottbusser Tor. Die Weiterfahrt bis Görlitzer Bahnhof oder Schlesisches Tor war nach Angaben von BVG-Sprecher Klaus Wazlak nicht möglich, weil die Züge dort nicht gewendet werden konnten. Das würde bis in die Abendstunden so bleiben, so Wazlak.

S-Bahnverkehr nicht betroffen

Der S- und Regionalbahnverkehr ist nicht betroffen. Der Betrieb hatte sich nach dem Brandanschlag am Ostkreuz vor einigen Tagen erst am Donnerstagmorgen normalisiert. Zum Zeitpunkt der Entschärfung wird der Verkehr auf der Stralauer Allee in beide Richtungen gesperrt, sagte Maaß. Auf der Spree ist zurzeit kein Schiffsverkehr zugelassen.

Nach Angaben eines Kriminaltechnikers wird bei der Entschärfung der Bombe der Aufschlagzünder herausgedreht. Anschließend soll der Sprengkörper zum Munitionssprengplatz Grunewald gebracht werden.

Für zusätzliches Chaos sorgte am Mittag ein Notarzteinsatz am S-Bahnhof Greifswalder Straße. Dort wurde der Verkehr auf dem östlichen Ring zwischen Ostkreuz und Schönhauser Allee unterbrochen. Es wird angenommen, dass die Beeinträchtigungen noch mehere Stunden andauern werden.

Am May-Ayim- und Groebenufer werden die 80 Jahre alten maroden Spundwände ausgetauscht. Die Arbeiten an der Spree sollen im Juli beendet sein.

Erst vor knapp zwei Wochen hatten Bauarbeiter einen 250-Kilo-Blindgänger auf einem ehemaligen Klinikgelände in Zehlendorf entdeckt. Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Bombe konnte nach Stunden vor Ort entschärft werden. Anfang April hatten etwa 7000 Menschen in Berlin-Spandau für viele Stunden ihre Wohnungen verlassen müssen, bis nachts eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht werden konnte. Die 100 Kilogramm schwere Fliegerbombe, die auf dem Gelände eines Wasserwerks an der Falkenseer Chaussee gefunden worden war, wurde damals gesprengt. Im Berliner Boden werden noch immer zahlreiche explosive Hinterlassenschaften des Krieges vermutet.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.