Tanzgruppe gibt auf

Karneval der Kulturen hat Finanzprobleme

Afoxé Loni, brasilianische Tanzgruppe der ersten Stunde, wird dieses Jahr zum letzten Mal am Karneval der Kulturen teilnehmen. Es fehlt das Geld. Von den öffentlichen Mitteln für den Karneval bleibt für die Darsteller nichts übrig.

Die brasilianische Tanzgruppe Afoxé Loni wird in diesem Jahr zum letzten Mal am Karneval der Kulturen teilnehmen. Nachdem die Tänzer 15 Jahre lang den interkulturellen Festumzug eröffnet hatten, löst sich die Gruppe auf. Grund sind finanzielle Probleme, wie die afro-brasilianische Gruppe in einem offenen Brief bekannt gab. „Wir können uns die Teilnahme einfach nicht mehr leisten“, sagt Krista Zeißig, eine Gründerin von Afoxé Loni. Bis zu 7000 Euro muss die Truppe jedes Jahr aufbringen, um die Auflagen der Stadt bei der Technik des Wagens, Sicherheit und Müllbeseitigung erfüllen zu können. Dem hinter der Gruppe stehenden Verein Musik und Tanz ohne Grenzen und dem interkulturellen Zentrum Forum Brasil fehlen Spenden. „Die Leute nehmen nicht mehr aus Ideologie am Umzug teil, sondern wollen nur eine Gratis-Party“, kritisiert Krista Zeißig.

Das Land Berlin, so Zeißig, profitiere vom Karneval der Kulturen, das Großereignis sei zu einem lukrativen Wirtschaftsfaktor geworden. „Allein die Umsatzsteuermehreinnahmen dürften sich auf mehrere Millionen Euro belaufen“, schätzt Krista Zeißig. Die Hauptakteure vom Karneval der Kulturen könnten sich die Teilnahme jedoch kaum noch leisten.

„Viele Teilnehmer beschweren sich, vom Land Berlin nicht ausreichend unterstützt zu werden“, sagt die Leiterin des Karnevals der Kulturen, Nadja Mau. Die öffentlichen Mittel, die das Karnevalsbüro erhalte, beliefen sich auf 270000 Euro pro Jahr. „Die Summe fließt zu hundert Prozent in die Logistik“, gibt Mau an. Es bleibe nichts übrig, um die Darsteller für ihre organisatorischen Mühen zu entschädigen. Nadja Mau würde gerne in einer Studie belegen, wie hoch der Gewinn des Landes Berlin am interkulturellen Ereignis ist, um der Forderung nach Unterstützung Nachdruck zu verleihen. Genaue Zahlen gebe es derzeit nicht „Aber wir können eine solche Erhebung nicht finanzieren“, sagt Nadja Mau.

„Wir sagen Nein zu dieser Kulturpolitik der Missachtung, Instrumentalisierung und Ausbeutung der kulturellen Vielfalt in dieser Stadt“, steht in dem Brief von Afoxé Loni. Die Tanzgruppe fordert die Einsetzung eines Karnevalfonds, an den Förderanträge gestellt werden können.

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