Tarifkonfklikt

Einigung an der Charité - Streikgefahr bleibt

Gewerkschaft und Charité haben einen Kompromiss im Tarifkonflikt erzielt. Löhne und Gehälter sollen um zunächst 150 Euro steigen. Doch der Streik ist noch nicht beendet, sondern nur ausgesetzt.

In den schwierigen Pflege-Tarifverhandlungen zwischen der Berliner Charité und den Gewerkschaften hat es eine erste Einigung gegeben. Es sei ein Verhandlungsergebnis mit stufenweisen Lohnerhöhungen für die rund 10.000 Krankenschwestern, Pfleger, Techniker und anderes nichtärztliches Personal erzielt worden, teilte die Gewerkschaft Verdi am Freitag mit.

Der Vorschlag werde den Mitgliedern nun zur Abstimmung vorgelegt. Bis Mitte kommender Woche werde sich zeigen, ob das Ergebnis von ihnen mitgetragen werde oder nicht. Bis dahin wird der laufende Streik weiter ausgesetzt. „Der vorliegende Kompromiss ist ein fairer Lösungsvorschlag, der jedoch nicht alle Erwartungen erfüllt“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Bettina Weitermann.

Die Einigung sieht bis Ende 2014 eine schrittweise Angleichung der Löhne und Gehälter auf das Niveau des bundesweit geltenden Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes vor. Die Gewerkschaften hatten zu Beginn der Verhandlungen sofort 300 Euro mehr pro Monat gefordert und Anfang Mai fünf Tage lang dafür gestreikt.

Anhebung auf Bundesniveau

Zum 1. Juli 2011 erhielten die Beschäftigten nach dem Verhandlungsergebnis erst einmal 150 Euro pro Monat mehr. Zum 1. Juli 2012 kämen noch einmal 50 Euro dazu. Ab 2013 folgte eine prozentuale Anhebung, die sich am dann geltenden bundesweiten Tarifniveau orientiert.

Zum 1. Juli 2013 würde der Wert bei 96 Prozent liegen, im Juli 2014 wären es 97,5 Prozent und im Dezember 2014 dann 100 Prozent. Die Regelungen sollen für die Beschäftigten bis zur Einkommensgruppe 9 gelten, das entspricht Stationsleitungen.

Mit der Vertragsunterzeichnung würden auch Ungleichheiten zwischen Beschäftigten mit Ost- und Westtarifen ausgeglichen, teilte Verdi weiter mit. So soll es ab 2012 gleich viel Weihnachtsgeld geben. Bisher erhielten Ost-Beschäftigte weniger. Sie bekämen dann auch denselben Kündigungsschutz: Wer älter als 40 ist und mehr als 15 Jahre an der Charité arbeitet, wäre dann unkündbar.

Charité zufrieden

Die Verhandlungsführer der Charité zeigten sich zufrieden: „Dieses Ergebnis ist aus Sicht der Charité ein für beide Seiten tragfähiger Kompromiss“, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei. Nach Einschätzung von Klinik-Direktor Matthias Scheller ist die Charité dafür bis an die Grenze der wirtschaftlichen Tragfähigkeit gegangen.

Die Einigung gilt aber nicht für die Uniklinik-Tochter CFM, die Tarifverträge und höhere Stundenlöhne für die rund 2000 Mitarbeiter von Poststelle, Telefonzentrale, Hausverwaltung oder Reinigungsservice fordert. Die Tarifverhandlungen für die CFM sollen Ende Mai aufgenommen werden. Auch hier ist der Streik nur ausgesetzt.