Fußball-Skandal

Fünfeinhalb Jahre Haft für Wettpaten Sapina

Im Skandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte Ante Sapina als Wettbetrüger eine zweifelhafte Berühmtheit. Doch trotz Haftstrafe konnte es Sapina nicht lassen: Er wurde zum Drahtzieher im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte.

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Der wichtigste Prozess zum größten Manipulationsskandal der europäischen Fußball-Geschichte ist mit hohen Haftstrafen gegen die Wettpaten Ante Sapina und Marijo C. zu Ende gegangen. Wiederholungstäter Sapina wurde vom Bochumer Landgericht ebenso wie sein fünffach vorbestrafter kroatischer Landsmann C. zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Mitläufer Dragan M. erhielt ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung.

Wiederholungstäter Sapina und Marijo C. hatten im Verlauf des zweimonatigen Prozesses gestanden, zwischen 2008 und 2009 Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre bestochen zu haben. 51 Spiele, darunter auch Begegnungen in der Champions League und der WM-Qualifikation, sollen manipuliert worden sein. In das Urteil flossen nach einer Verfahrensbeschränkung, die am Donnerstag zu Beginn des zwölften Verhandlungstages vorgenommen wurde, noch 28 Spiele ein. Sapinas Wettgewinne sollen sich diesmal auf über 2,3 Millionen Euro belaufen haben, bei C. auf 2,2 Millionen Euro.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup blieb mit den Urteilen unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für Sapina sieben Jahre und für C. sechs Jahre und neun Monate beantragt hatte. Die Angeklagten nahmen die Urteile im Gerichtssaal scheinbar ungerührt zur Kenntnis.

Der einschlägig vorbestrafte Sapina, der schon 2005 im Skandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer zu zwei Jahren und elf Monaten verurteilt worden war, hatte allerdings bei seinem „letzten Wort“ vor dem Urteil Emotionen gezeigt. Mit brüchiger Stimme sagte er: „Ich möchte mich vor allem bei meiner Familie entschuldigen. Ich kann's leider nicht wieder gutmachen. Ich kann nur hoffen, dass ich eine letzte Chance bekomme. Es tut mir leid.“

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter war der zweite, aber wohl noch lange nicht der letzte im Rahmen dieses Wettskandals. Die zweite Riege der Wettbetrüger war schon Mitte April verurteilt worden. Die früheren Angeklagten Nürettin G., Tuna A. und Stevan R. erhielten Haftstrafen zwischen drei Jahren und drei Jahren und elf Monaten. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln noch immer gegen gut 300 weitere Verdächtige.

Sapina hat bereits 17 Monate, Marijo C. 18 Monate der Strafe in Untersuchungshaft verbüßt. Bereits vor Ostern war Sapina aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Entlassung ist aber nur vorübergehend. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, sind die Tage in Freiheit gezählt. Dass seine Anwälte vor Bundesgerichtshof Revision einlegen werden, gilt als wahrscheinlich. Weitere mögliche Instanzen wären das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.