Allergien

Raupenalarm in Berliner Grünanlagen

Der kalte Winter hat den Larven nicht geschadet. Im Gegenteil: In diesem Jahr sind die Raupen in Berliner Gärten besonders früh unterwegs. Einige, wie der Eichenprozessionsspinner, können für Allergiker gefährlich werden.

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa-Zentralbild

Gespenstische weiße Netze leuchten aus dem üppigen Grün am Rande der Köpenicker Straße Ecke Treskowallee. Im Inneren der dichten Netze sind die winzigen Baumeister dieser filigranen Gebilde kaum auszumachen: Es handelt sich um zahlreiche, nur zwei Zentimeter lange Raupen der Gespinstmotte, die jedoch innerhalb kürzester Zeit stattliche Bäume bis in die Kronen kahl fressen können. Und das tun sie in diesem Jahr bereits besonders früh: „Normalerweise sehen wir solche Netze erst im Juni. Aber das besonders warme Frühjahr hat die Entwicklung der Raupen beschleunigt“, sagt Isolde Feilhaber, Beraterin im Pflanzenschutzamt Berlin.

Bereits seit Ende April steht das Beratungstelefon der Expertin nicht mehr still. Doch während die Gespinste der Mottenart unheimlich wirken, für den Menschen aber ungefährlich sind, ist bei anderen Raupenarten Vorsicht angebracht. „Generell sollte man einen großen Bogen um haarige Exemplare machen.“

Insbesondere die bis zu fünf Zentimeter langen Raupen des Eichenprozessionsspinners sind mit tückischen Gifthärchen ausgestattet. Das Nesselgift verursacht schmerzhaften Juckreiz und kann zu Asthma führen.

Die „Prozessionen“, bei denen die Raupen abends im Gänsemarsch die Baumstämme hinauf ins Blattwerk kriechen, können entlang der Potsdamer Chaussee in Spandau sowie am Königsweg in Zehlendorf beobachtet werden.

Während Gartenbesitzer versuchen könnten, das Nest der Gespinstmotte, wenn es noch im Frühstadium stecke, selbst mit der Gartenschere herausschneiden und in der Mülltonne zu entsorgen, sollten beim Eichenprozessionsspinner Fachfirmen gerufen werden. „Die saugen die Raupen dann vom Baum“, so Feilhaber.

In Brandenburg greifen die Kollegen auch zu Pflanzenschutzmitteln: So wurden Montag entlang der Autobahn A10 zwischen dem Autobahndreieck Werder und der Abfahrt Potsdam-Nord rund 2000 Eichen besprüht. Die Falterpopulation habe sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet, begründet die zuständige Autobahnmeisterei. Die Mitarbeiter könnten ohne gesundheitliche Gefährdung sonst weder Mähen noch Müll einsammeln.

Noch eine weitere Raupenart sorgt in diesem Frühjahr für Ärger: Ungefährlich, aber lästig sind auch die massenhaft geschlüpften grünen Raupen des Kleinen Frostspanners, die Fäden spinnen und sich an diesen etwa im Grunewald in großer Zahl auf Fußgänger abseilen. „Den kalten Winter haben die Raupen bestens weggesteckt“, sagt Expertin Feilhaber.