Nachruf

Autor und Baader-Verteidiger Chotjewitz ist tot

In den 1970ern wurde er bekannt für seine politischen Romane. Er verteidigte das RAF-Mitglied Andreas Baader und übersetzte Literaturnobelpreisträger Dario Fo. Am Mittwoch ist der Schriftsteller und Jurist Peter O. Chotjewitz gestorben.

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Der Schriftsteller und einstige RAF- Verteidiger Peter O. Chotjewitz ist tot. Er starb nach längerer Krankheit am Mittwoch mit 76 Jahren in seiner Wahlheimat Stuttgart. „Die deutsche Literatur hat damit einen ihrer vielseitigsten Autoren verloren, der den Essay und das Gedicht ebenso beherrschte wie das Drama und den Roman“, teilte der Verbrecher Verlag in Berlin mit. Mit seinen politischen Romanen im Umfeld der „Roten Armee Fraktion“ war Chotjewitz in den 1970er Jahren bekannt geworden.

„Fast letzte Erzählungen“ hatte Chotjewitz seine letzten Text- Sammlungen überschrieben, von denen Band 3 und 4 erst in diesem Sommer herauskamen, wie der Programmleiter seines Verlags, Jörg Sundermeier, sagte. Der erste Band der gesammelten Essays, Notate, Vorstudien, Reflexionen und autobiografischen Skizzen erschien bereits 2007. Im selben Jahr veröffentlichte Chotjewitz auch seinen letzten großen Roman „Mein Freund Klaus“ über den RAF-Anwalt Klaus Croissant.

In den 60er und 70er Jahren galt er zusammen mit Ror Wolf und Gisela Elsner als Speerspitze einer literarischen Bewegung, die mit ästhetischen Konventionen brach und den Leser mit sprachlichen Collagen und herausforderte. „Wir wollten das bürgerliche Weltbild kritisieren, indem wir die bürgerliche Literatur kritisierten und bewusst parodierten“, hatte er dies selbst einmal erklärt.

Seinen ersten Roman legte der gebürtige Berliner und gelernte Anstreicher mit „Hommage à Frantek – Nachrichten für seine Freunde“

1965 vor. Im selben Jahr las er vor der den Schriftstellern der „Gruppe 47“. Ein Jahr später ging er als Stipendiat der deutschen Kultureinrichtung Villa Massimo nach Rom und lernte Italienisch. Die Stücke Dario Fos machte er als Übersetzer in Deutschland erst bekannt. Zu seinen Romanen, in denen es meist um die Auseinandersetzung mit dem Faschismus und den Terroristen der Rote Armee Fraktion ging, zählen „Die Herren des Morgengrauens“ (1978) und „Saumlos“ (1979).

Chotjewitz, der in Kassel am Abendgymnasium das Abitur nachgeholt (1955) und in Frankfurt und München Jura sowie Geschichte, Publizistik und Philosophie in Berlin studiert hatte, ging Anfang der 70er Jahre wieder nach Hessen und eröffnete eine Anwaltspraxis. Chotjewitz war unter anderem der Wahlverteidiger des RAF-Mitgliedes Andreas Baader und des Berliner Schriftstellers Peter-Paul Zahl. Lange war er Gewerkschaftsfunktionär der IG Druck und Papier.

„In seinen Büchern ging es sowohl um die Antike oder das Italien der Renaissance wie um die gegenwärtige politische Entwicklung“, schrieb sein Verlag. Chotjewitz' Werk umfasst neben Romanen und Essays auch Hörspiele und Features.

Chotjewitz sei ein Lehrmeister gewesen, „nicht nur in Lektoratsdingen, sondern auch bezüglich der Frage, wie man sich mit Würde im Literaturbetrieb bewegen konnte“, sagten Sudermeier und Werner Labisch vom Verbrecher Verlag. Öffentlich sei der vielseitige Autor zuletzt am 30. November im Stuttgarter Literaturhaus aufgetreten bei der Vorstellung von „49 VIPs“, einem Bildband, den er gemeinsam mit seiner zweiten Frau, der Malerin und Kunstprofessorin Cordula Güdemann, herausgegeben hat.