Wegen Fukushima

Mehr Teilnehmer bei Ostermarsch in Berlin erwartet

Die Veranstalter des Berliner Ostermarschs rechnen mit wesentlich mehr Teilnehmern als im Vorjahr. Grund seien die Vorfälle im japanischen Atomkraftwerk Fukushima. Der Ausstieg aus der Kernkraft ist ein zentrales Thema der Veranstaltung.

Nach dem Atomunfall in Japan erwartet die traditionelle Ostermarschbewegung in diesem Jahr auch in Berlin einen kräftigen Zulauf. „Fukushima wie schon Tschernobyl vor 25 Jahren haben gezeigt, dass es eine sichere Nutzung von Atomkraft nicht geben kann“, teilten die Organisatoren am Dienstag in Berlin mit. Die Friedenskoordination rechnet an diesem Sonnabend in Mitte mit über 2000 Teilnehmern, also 500 mehr als im vergangenen Jahr. Die Forderung nach einem Ausstieg aus der Kernkraft ist zentrales Thema der Ostermärsche.

Fast 50 Initiativen, Umweltverbände und Parteien haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Um 12 Uhr wollen sich die Atomkraftgegner vor dem Vattenfall-Gebäude an der Chausseestraße treffen. Der Marsch soll gegen 14 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Potsdamer Platz enden.

Bundesweit sind nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative von Gründonnerstag bis Ostermontag rund 80 Veranstaltungen und Aktionen geplant. Zudem lehne die Friedensbewegung den Nato-Einsatz in Libyen ab.

Streit über neue Energien

Ihre Wurzeln haben die Ostermärsche im Protest gegen das atomare Wettrüsten im Kalten Krieg. In Deutschland erlebten sie 1968 und 1983 ihre Höhepunkte mit Hunderttausenden Demonstranten.

Unterdessen wirft die Umweltschutzorganisation Greenpeace den vier großen Stromversorgern in Deutschland vor, die Energiewende zu torpedieren. Der größte Anteil erneuerbarer Energien werde bisher von regionalen Anbietern produziert, sagte Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid. Die Atomkraftwerksbetreiber E.on, RWE, Vattenfall und EnBW hätten ihren Anteil an Strom aus Wind, Sonne oder Erdmasse seit 2007 nicht maßgeblich gesteigert. Die Betreiber wiesen den Vorwurf einer Verweigerungshaltung zurück. Die Wirtschaft warnte vor steigenden Strompreisen wegen der Energiewende.

RWE, E.on und EnBW wiesen die Vorwürfe zurück: „Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Es kann keine Rede davon sein, dass RWE sich diesem Trend verweigert“, erklärte RWE-Sprecher Jürgen Frech. Der Konzern stelle pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro für den Ausbau der Ökoenergien bereit. RWE und E.on betonten, längst in Offshore-Windparks zu investieren.

Die Unionsfraktion im Bundestag dringt derweil auf eine schnelle Entscheidung zum Thema Kernenergie. „Wir streben noch vor der Sommerpause eine Änderung des Atomgesetzes an, damit mit dem Ablauf des Moratoriums alle Beteiligten in Deutschland Klarheit haben, wie es weitergeht“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmeier, am Dienstag dem Fernsehsender Phoenix.

Zwar spiele die Politik bei der anvisierten Gesetzesänderung die entscheidende Rolle, so der CDU-Politiker. Aber dem Votum der Atomethik-Kommission komme „eine sehr hohe Autorität“ zu.