Wintereinbruch

Schneetreiben legt Berliner Verkehr lahm

Über Nacht hat sich eine dicke Schneedecke in Berlin gebildet. Und es schneit kräftig weiter. Die BSR kommt kaum mit dem Räumen hinterher. S-Bahnen und Regionalzüge fallen wegen Weichenstörungen aus. Auch Fluggäste müssen mit starken Behinderungen rechnen.

Durch die starken Schneefälle in der Nacht zum Donnerstag ist der S-Bahn-, Flug- und Straßenverkehr in Berlin teilweise stark beeinträchtigt worden. Weichenstörungen sorgten für Einschränkungen der S-Bahn Linien S2, S8 und S9. Außerdem gibt es zahlreiche Verspätungen, teilte die Berliner S-Bahn Berlin mit. Auch einige Regionalzüge fielen ganz aus - ebenfalls wegen Weichenstörungen.

Durch den starken Wind setze sich der Schnee zwischen den Schienen fest und müsse jeweils einzeln mit Besen und Schaufel weggeräumt werden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Der Schneefall könnte auch weiterhin für Weichenstörungen sorgen. „Bei starken Schneeverwehungen haben wir immer diese Probleme“, so der Bahnsprecher. „Da ist die Technik dann am Ende.“

Auf den Flughäfen Schönefeld und Tegel fielen Flüge von und nach München, Frankfurt am Main, Paris, London und Kopenhagen aus. Ein Flug nach Istanbul verzögerte sich in der Nacht witterungsbedingt um etwa fünf Stunden und konnte erst am Morgen starten.

Seit Mitternacht kam es außerdem auf Berlins Straßen zu 37 Unfällen. Autos hatten Probleme mit den großenteils nicht vom Schnee geräumten Straßen.

Der Schneefall hält nach Angaben des Wetterdienstes auch tagsüber an. Bei Höchsttemperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt bleibt der Schnee auch liegen. Dies führt zu anhaltender Glätte auf den Straßen.

BSR seit 3 Uhr im Einsatz

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) kämpft seit dem frühen Donnerstagmorgen mit 1300 Einsatzkräften gegen Schnee und Eis in der Hauptstadt. „Die Männer in Orange haben die Hände nicht in den Schoß gelegt“, wies Sprecher Bernd Müller Kritik an ungeräumten Bushaltestellen und Nebenstraßen zurück. Vorrang hätten zunächst die großen Verkehrsadern durch die Stadt. Erst danach kämen Nebenstraßen dran. Durch die tiefen Temperaturen dauere es zudem länger, bis das gestreute Feuchtsalz wirke. So sei an manchen Stellen die Wirkung der Streumaßnahmen noch nicht erkennbar. Seit 3 Uhr sind 470 Räum- und Streufahrzeuge im Einsatz.

Angesichts des zu erwartenden massiven Wintereinbruchs rief Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zur Beachtung der neuen Schneeräumregeln auf. Sie müssen nun kontrollieren, dass beauftragte Firmen ihre Wege ordnungsgemäß geräumt haben. Mit Beginn dieses Winters müssen in Berlin Gehwege an Hauptstraßen auf einer Breite von 1,50 Meter von Schnee und Eis befreit werden, an kleineren Straßen auf einer Breite von einem Meter. Wer den Schnee liegen lässt, dem drohen 10.000 Euro Strafe.

Obdachlose - Berliner zur Mithilfe gebeten

Die Notunterkünfte für die geschätzten 10.000 Obdachlosen Berlins waren bereits in den vergangenen Tagen überfüllt. So kamen bei der Stadtmission am Hauptbahnhof bereits am Mittwoch drei Mal so viele Obdachlose unter wie eigentlich vorgesehen. „Aber wir wollen bei der Kälte keinen Menschen vor der Türe stehen lassen“, sagt Sprecherin Ortrud Wohlwend. Auch die Kältebusse von Stadtmission und DRK sind nun öfter im Einsatz. Hier werden Obdachlose versorgt, die nicht in eine Notunterkunft wollen. Sie bekommen warme Kleider und werden auch medizinisch versorgt.

Die kommenden Tage werden sehr anstrengend für die Kältehelfer, weil viele Obdachlose ihre angestammten Plätze verlassen, um sich eine geschützte Stelle zu suchen. Die Berliner sind deshalb zur Mithilfe aufgerufen. Wer abends oder nachts einen Obdachlosen auf der Straße entdeckt, solle den Kältebus der Stadtmission unter 0178/523 58 38 oder den DRK-Wärmebus unter 0170/910 00 42 anrufen.

Bis zu ein Meter Schneedecke in Brandenburg

Noch Heftiger als die Hauptstadt traf es Brandenburg am Donnerstagmorgen. Durch Schneeverwehungen kam es im Süden des Landes teilweise bis zu einem Meter Schnee auf den Straßen. Hier waren deshalb zahlreiche Straßen in Elbe-Elster und südlich von Cottbus unpassierbar. Bei Mühlberg (Elbe-Elster) blieb ein Krankenwagen im Schnee stecken und musste befreit werden. Teilweise fuhren auch die Schulbusse nicht.

Von Mitternacht bis 07.30 Uhr gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Potsdam 50 und im Bereich des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder) 121 Unfälle. Verletzt wurden dabei 19 Menschen. Ein Großteil der Unfälle war auf die Straßenverhältnisse zurückzuführen.

Der Bahnverkehr in Teilen Brandenburgs war ebenfalls gestört. Die Züge von Berlin nach Leipzig und Cottbus sowie von Falkenberg nach Cottbus fielen aus. Außerdem gab es Verspätungen.