Krankhaftes Tieresammeln

53 Finken aus Rentner-Wohnung in Wedding geholt

Ein 73-Jähriger ist nicht mehr mit seinen Zebrafinken und den mit ihnen verbundenen Massen an Futter, Pflege und Vogelkot zurecht gekommen. Tierschützer mussten die Vögel rettten. Dieses krankhafte "Animal Hoarding" scheint in Berlin immer häufiger vorzukommen.

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Eine Schar von 53 Zebrafinken ist einem Rentner in Berlin-Wedding regelrecht über den Kopf gewachsen. Weil ihm das Füttern, die Nachwuchspflege und die Massen an täglich anfallendem Vogelkot zu viel geworden sind, haben Tierschützer am Freitag die Vögel aus der Wohnung des 73 Jahre alten Mannes geholt, wie die Organisation aktion tier am Montag mitteilte. „Wenn wir die Vögel nicht abgeholt hätten, wären es nächstes Jahr vielleicht schon doppelt so viele“, sagt Ursula Bauer von aktion tier.

In den vorhandenen Nistkästen in der Voliere in der Küche hätte man allein 45 Eier gefunden. Die Organisation warnte vor dem krankhaften Sammeln oder Horten von Tieren in Haus, Wohnung oder Garten (Animal Hoarding): „Was harmlos beginnt, kann schließlich im Chaos enden“.

Animal Hoarding beginne meistens mit wenigen Tieren, die sich dann unkontrolliert vermehrten, erklärte Ursula Bauer, Biologin bei aktion tier. „Zusätzlich werden weitere Tiere aufgenommen.“ Ein Frührentner in Berlin-Spandau etwa hätte am Ende hunderte Wellensittiche in seiner Dachgeschosswohnung gehalten. Dem „Birdhoarder“ wurden Ende 2008 alle Vögel weggenommen. Das Halten von Tieren wurde ihm verboten.

In dem aktuellen Fall sei der Rentner mit dem Saubermachen der Voliere, die er in der Küche aufgestellt hatte, nicht mehr hinterher gekommen. Außerdem hätten die Zebrafinken sich wegen der Enge im Käfig gegenseitig die Federn ausgepickt. Einige der ursprünglich in Australien beheimateten Prachtfinken seien bereits fast nackt gewesen.

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