Illegaler Waffenbesitz

Anklage gegen Berliner Rapper Deso Dogg

Der Berliner Rapper Deso Dogg ruft Muslime zum Heiligen Krieg und Märtyrertod auf. Jetzt wurde der 35-Jährige wegen des Vorwurfs des illegalen Waffenbesitzes angeklagt.

Er verherrlichte den bewaffneten „Heiligen Krieg“ und ist in der radikal-muslimischen Szene des sogenannten Salafismus eine feste Größe: Nun wurde bekannt, dass der wegen Gewalt befürwortender Äußerungen mehrfach in die Schlagzeilen geratene islamistische Ex-Rapper Deso Dogg in seiner Wohnung Munition gehortet und in einer Videoaufzeichnung mit einer Waffe hantiert haben soll. Eine Genehmigung soll er nicht gehabt haben.

Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte die Vorwürfe auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. „Wir haben die Anklage raus geschickt“, sagte der Sprecher der Behörde, Martin Steltner, am Wochenende. Den Angaben zufolge soll Deso Dogg, der mit bürgerlichem Namen Mamadou C. heißt und sich in Islamistenkreisen Abou Maleeq nennt, im März 2010 insgesamt 16 Patronen der Kaliber 9 und 22 aufbewahrt haben. Festgehalten auf einem Video vom Juli 2008, führte der 35-jährige Berliner laut Anklage zudem mit einer halbautomatischen Pistole vom Typ Glock 26 einen Ladevorgang durch, ohne einen Waffenschein gehabt zu haben. Ein weiteres, gegen Mamadou C. geführtes Verfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz führte bisher nicht zu einer Anklage.

Der Staatsschutz hatte den wegen Gewalttaten und illegalen Waffenbesitzes mehrfach vorbestraften Deso Dogg offenbar bereits seit längerem im Visier. Nach dapd-Informationen durchsuchten Ermittler seine Wohnung und vernahmen Freunde und Nachbarn.

Internet-Eintrag: „Alles in Schutt und Asche legen“

Wie brisant der Waffenfund bei dem Islamisten war, zeigt sich im sozialen Internet-Netzwerk Facebook. Der Nachrichtenagentur dapd wurden nicht öffentlich einsehbare Einträge zugespielt, in denen der Verfasser, mal unter dem Namen „Abou Maleeq“, mal unter dem bürgerlichen Namen „Mamadou C.“, Schriften von Dschihad-Ideologen und Ansprachen deutscher Terrorkämpfer verlinkt.

Außerdem verfasste der äußerst eifrige Internetnutzer „Abou Maleeq“ Gewalt verherrlichende Einträge: „Ihr wisst ganz genau, dass ich hier alles in Schutt und Asche legen kann, ob ich im Gefängnis bin oder draußen“, schreibt er. Für seinen Glauben sei er bereit zu sterben, Allahs Gesetze stünden über den Gesetzen Deutschlands. Weiter heißt es: „Möge Allah eure Machenschaften und eure Kräfte vernichten und eure Armeen vernichten und euren Staat zugrunde richten.“

Nach einem tätlichen Angriff mehrerer Karnevalisten auf Mitglieder eines vom Verfassungsschutz beobachteten Vereins sogenannter Salafisten aus Mönchengladbach kündigte Facebook-Nutzer „Abou Maleeq“ im März dieses Jahres an, zu den muslimischen Brüdern zu fahren, um diese zu „verteidigen“. Er schrieb: „Macht Dua (betet), dass Allah uns als Schuhadah (Märtyrer) annimmt, wenn wir nicht zurückkehren.“ Beobachter der Szene werteten den Eintrag als mögliche Androhung eines Terroranschlags.

Keine Hinweise für geplanten Anschlag

Wenn sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bewahrheiten, wäre klar, dass Mamadou C. die Drohungen mit Waffengewalt hätte umzusetzen können. Hinweise, dass der Dschihad-Befürworter tatsächlich einen Anschlag plante, gibt es allerdings nicht. Ermittler halten es für möglich, dass sich der 35-Jährige lediglich wichtig machen wollte.

In der islamistischen Szene wurde Deso Dogg vor allem durch seine per Internet verbreiteten islamistischen Lieder bekannt. Darin verherrlichte er den „Heiligen Krieg“ und legitimierte Gewalt im Namen des Islam, zum Beispiel mit den Worten: „Wir kämpfen, fallen als Märtyrer, den Feind im Auge, im Namen Allahs.“ In einem weiteren Lied sang Deso Dogg: „Das Schwert, das niemals ruht, aus Liebe geben wir unser Blut.“ Bei einem „Islamseminar“ zum Jahreswechsel im rheinland-pfälzischen Mayen war der Auftritt Deso Doggs einer der Höhepunkte. Die salafistischen Anhänger quittierten sein Lied mit begeisterten „Allah-uh-Akbar“-Rufen.

„Ich bin nicht mehr von dieser Welt“

Der im Gangsta-Rap-Millieu sozialisierte Deso Dogg ist erst seit gut einem Jahr im salafistischen Milieu aktiv. Er radikalisierte sich offenbar zunächst über den rheinländischen Prediger Pierre Vogel, gegen dessen Verein „Einladung zum Paradies“ das Innenministerium zurzeit ein Verbotsverfahren prüft.

In den vergangenen Monaten trat der Islamist bei Treffen der kleineren, aber als deutlich radikaler geltenden Gruppe „Die wahre Religion“ auf. Welche Bedeutung Deso Dogg für Gewalt befürwortende Salafisten mittlerweile hat, zeigte sich zuletzt im Fall des mutmaßlichen Todesschützen vom Frankfurter Flughafen, Arid U.: Auf seiner Facebook-Seite hatte der 21-Jährige vor seinem damaligen Angriff auf US-Soldaten geschrieben: „Abou Maleeq, ich liebe Dich“.

Einer möglichen Verurteilung wegen illegalen Waffenbesitzes und einer eventuell drohenden Haftstrafe sieht Deso Dogg offenbar gelassen entgegen. In einem Facebook-Eintrag hieß es: „Ihr könnt machen, was ihr wollt, ich bin nicht mehr von dieser Welt.“

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