Berlins Mitte

Marx und Engels beobachten jetzt den Westen

Nach einem halben Jahr Umzugszeit sind Karl Marx und Friedrich Engels wieder für Besucher zugänglich. Die beiden etwa drei Meter hohen Bronzefiguren sind an ihrem Übergangsquartier an der Karl-Liebknecht-Brücke in Berlin-Mitte angekommen.

Das Marx-Engels-Forum in Mitte ist ab sofort wieder für Besucher zugänglich. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Freitag mitteilten, wurde das Anfang September versetzte Denkmal an seinem neuen, 80 Meter entfernten Standort nahe der Karl-Liebknecht-Brücke hergerichtet. Die Versetzung war wegen Vorbereitungsarbeiten für die Verlängerung der U55 notwendig geworden. Die U-Bahn-Linie führt voraussichtlich ab 2018 vom Hauptbahnhof zum Alexanderplatz, wo sie an die U5 anschließt.

Der Ausbau dermöglicht Marx und Engels jetzt einen Perspektivwechsel. Bis zur Fertigstellung der U-Bahn schauen sie gen Westen. Touristen und Berliner können das beliebte Fotomotiv der beiden tonnenschweren Figuren von Marx und Engels ab sofort wieder besuchen. Wegen des Frosts im Winter hatte sich die Wiedereröffnung des Denkmals an dem neuen Standort verzögert.

Das sogenannte Marx-Engels-Forum war 1986 im Auftrag der DDR-Führung eingeweiht worden. Benannt ist es nach Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895), den Verfassern des kommunistischen Manifestes. Ihre Weltanschauung wurde von linken Kräften und den späteren sozialistischen Staaten zur vermeintlich wissenschaftlichen Grundlage ihrer Ideologie erhoben. Die zumeist in London lebenden befreundeten Philosophen kritisierten nicht nur die Entwicklung des Kapitalismus in Europa, sondern auch die damals noch junge deutsche Sozialdemokratie.

Zu dem Ensemble gehören neben den beiden überlebensgroßen Figuren auch Reliefs und Edelstahlstelen. Das gesamte Forum soll nach Abschluss der Bauarbeiten originalgetreu wiederhergestellt werden. Marx und Engels dürfen dann zu ihrem alten Standpunkt zurückkehren.

Das originale Forum markierte eine kreisrunde Fläche. In der Mitte stehen auch nach dem Umbau die vom Künstler Ludwig Engelhardt geschaffenen Abbilder Marx' und Engels'. Umrahmt wird die Figurengruppe unter anderem von Metall-Stelen, die die Geschichte der Arbeiterbewegung nachzeichnen.

Laut BVG soll die Anlage im Anschluss an die Bahn-Bauarbeiten wieder zurückversetzt werden. Dem stehen Pläne gegenüber, die auf der Fläche eine Blockrandbebauung nach historischem Vorbild vorsehen. Bis in die 1960er Jahre standen auf dem Platz am Nikolaiviertel Bürgerhäuser und ein großes Postamt.

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