Keine Zwangsvollstreckung

Versteigerung von Kunsthaus Tacheles verschoben

Das Kunsthaus Tacheles kommt vorerst doch nicht unter den Hammer: Die Zwangsversteigerung ist kurzfristig abgesagt worden. Die HSH Nordbank, die das Tacheles-Grundstück verkaufen will, rechnet aber mit einer "baldigen Fortsetzung".

Die Zwangsversteigerung des bekannten Berliner Kunsthauses Tacheles ist am Montag kurzfristig abgesagt worden. Wie ein Gerichtssprecher unmittelbar vor Beginn des geplanten Termins mitteilte, hat die HSH Nordbank einer einstweiligen Einstellung des Verfahrens zugestimmt.

Gesine Dähn, Pressesprecherin der HSH Nordbank, sagte Morgenpost Online, dass es beizeiten einen neuen Termin für die Zwangsversteigerung geben werde. Zum Montag hin hätten die Gespräche mit den Interessenten - "es gibt mehrere" - nicht zu einem Abschluss geführt werden können. Deshalb habe man die Verschiebung der Zwangsversteigerung beantragt. Sie rechne jedoch mit einer baldigen Fortsetzung des Verfahrens. Eine Gerichtssprecherin sagte hingegen, dies könne Monate dauern.

Auf die Frage, ob sich die Bank vielleicht schon mit einem Käufer geeinigt hat, wollte sich eine Gerichtssprecherin nicht äußern. Sie fügte aber hinzu: „Theoretisch ist es möglich, dass es eine Einigung zum Verkauf gegeben hat.“

Die Bank hatte das gesamte Gelände in Berlin-Mitte nach einem jahrelangen Streit zwangsversteigern lassen wollen. Für die insgesamt 16 Grundstücke an der Ecke zur Friedrichstraße waren gut 35 Millionen Euro als Preis vorgeschlagen.

Mit dem Verkauf an einen neuen Investor wäre die Zukunft des besonders bei Touristen beliebten Kunsthauses offen gewesen.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wurde von der Wende überrascht. Sein Kultur-Sprecher Torsten Wöhlert sagte, es bleibe dabei, dass man mit dem künftigen Investor über einen Erhalt des Tacheles als Kulturstandort sprechen wolle. „Irgendwann wird es ja einen Eigentümerwechsel geben, so oder so“, sagte Wöhlert.

Die Sprecherin der Künstlerinitiative vom Tacheles, Linda Cerna, sagte, es deute einiges darauf hin, dass in einem Hinterzimmer der Zuschlag für den Hamburger Investor Harm Müller-Spreer ausgeküngelt worden sein könnte. Der habe schon mit dem Bau des umstrittenen Spree-Dreiecks am Bahnhof Friedrichstraße für viel Ärger gesorgt. Doch sie gab sich kämpferisch: Das Tacheles-Programm gehe mit voller Energie und weiteren Highlights weiter.

Eine andere Nutzer-Gruppe im Tacheles – beide Seiten sind massiv zerstritten – zeigte sich indes fast resigniert. „Wir sind mit keinerlei Investor im Gespräch. Wir sind eher schon mit einem Fuß aus dem Tacheles“, sagte Tim Africa. Bei den geforderten Nutzungsentschädigungen gehe es um Summen – „da kommt man nicht mehr mit“. Vielleicht gelinge nun doch noch die Zerstörung des Tacheles.

Das weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Kunsthaus Tacheles zieht jährlich rund 400.000 Besucher an, vor allem Touristen aus dem Ausland. Es beherbergt Ateliers, Lokale, ein Kino sowie einen Theatersaal. Die Kaufhausruine unweit des Bahnhofs Friedrichstraße war 1990 von einer Künstlerinitiative besetzt worden. Später wurden Mietverträge abgeschlossen, die 2008 aber ausliefen.

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