Berliner Tierfreunde

Hitzige Wortgefechte bei Knut-Demo am Zoo

Vor dem Berliner Zoo haben rund 70 Menschen gegen die geplante Präparation des verstorbenen Eisbären Knut protestiert. Mit Luftballons und Spruchbändern kämpften sie lauthals gegen den Plan, aus Knut ein Museumsstück zu machen.

Exakt 65 Luftballons wiegen sich an diesem Samstag vor dem Berliner Zoo in der Luft. Sie markieren gut sichtbar eine Kundgebung von mehr als 70 Demonstranten, die sich am Löwentor eingefunden haben, um gegen eine Präparation von Eisbär Knut protestieren.

Das Tier war am 19. März vor den Augen der Besucher in seinem Gehege verstorben. Wie das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung am Freitag unter Berufung auf das Sektionsergebnis bekannt gegeben hatte, ertrank Knut, nachdem er vermutlich infolge einer Gehirnentzündung von einem Felsen ins Wasser gestürzt war. Noch dauert die Untersuchung des Kadavers an.

Die Stimmung unter den Demonstranten ist aufgekratzt. Gleich drei Themen sollen stellvertretend für alle Tierfreunde vertreten werden: Wieso muss Knuts pelzige Hülle erhalten und ausgestellt werden? Was verschweigt der Zoo? Wie geht es weiter mit der Tierhaltung in den Zoos dieser Welt?

Der Zoodirektor als Feind

Der Feind ist klar ausgemacht. Er heißt Bernhard Blaszkiewitz, ist Biologe und in seiner Funktion als Direktor von Zoo und Tierpark Chef des größten Tierbestandes der Welt, wie er jüngst in einem Zeitungsinterview sagte. Eigentlich wäre der Mann auf der Demonstration selbst gut aufgehoben.

Immerhin hatte er von Anbeginn des am Ende nur vierjährigen Knut-Lebens den Hype um das Tier abgelehnt. Gemeint war der Medien-Rummel um den Bären, aber auch die Hysterie mancher Fans. Diese würden Knut vermenschlichen, lautet seine Kritik noch heute. Dabei sei Knut doch einfach nur ein Tier.

Jochen Kolbe versetzen solche Aussagen in Rage. Der Mitorganisator der Proteste hat sich wie seine Gesinnungsgenossen ein weißes Shirt übergestreift. „Knut macht Mut“ steht darauf. Es zeigt das Bärenkind beim Spiel mit seinem Ziehvater Thomas Dörflein, der vor rund zweieinhalb Jahren an einem Herzinfarkt gestorben war.

„Blaszkiewitz war angeblich gegen den Hype, aber die Millionen für Knut hat er mit seinem Zoo gern kassiert“, sagt Kolbe, der sich als Pressesprecher der Interessengemeinschaft Knut und als Redakteur für Internetspiele vorstellt. Von einem Tablett-PC twittert er die Kundgebung live in das weltweite Netz.

„Ich bin gegen die Ausstopfung, weil es gerade bei diesem Eisbären etwas respektlos ist“, sagt er. Fans, die trauern wollten, könnten zu Dörflein ans Grab pilgern. Dort gibt es tatsächlich eine Art Gedenkstein in Eisbergform. Wer nah herantritt, erkennt auch die gemeißelten Umrisse eines Knut.

Knut-Fans kündigen Zoo-Boykott an

„Bisher erlebe ich Herrn Dr. Blaszkiewitz ein wenig diktatorisch. Er entscheidet etwas wie die Ausstopfung, taucht dann aber ab.“ Den Hinweis, dass der präparierte Bär künftig im Naturkundemuseum zu sehen ist, für das der Zoochef keine Zuständigkeit hat, quittiert Kolbe mit dem Satz: „Aber Blaszkiewitz steht doch über den Einrichtungen.“ Dabei hätten die Fans ein Mitspracherecht über den Verbleib von Knut, sagt Kolbe. „Wir haben ja das Geld in den Zoo gebracht.“ Das werde sich nun ändern, droht er.

Wie, das verrät Franziska Denzig. Auch die junge Mutter hat den Protest mitorganisiert. Sie kündigt einen Zoo-Boykott an. Weitere Aktionen würden folgen. „Knut gehört nicht ausgestopft“, sagt sie und ihr Blick lässt keinen Zweifel, dass sie dafür kämpfen wird. „Es kann auch nicht sein, dass uns nicht die Wahrheit gesagt wird: Mal heißt es, unser Knut hatte einen Virus, mal war es das Hirn.“

Während sie Zettel verteilt, auf denen ebenfalls Knut als Eigentum der Hardcore-Fans reklamiert wird, deutet sie auf ihren Sohn im Kinderwagen. Alexander sei jetzt drei Jahre alt. „Er wuchs mit unserem Knut auf. Wie soll ich ihm erklären, dass sein Haustier plötzlich im Museum steht.“