Zentralrat der Juden

Knobloch verurteilt Anschlag auf Sehitlik-Moschee

Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland sieht in dem mutmaßlichen Brandanschlag "ein weiteres alarmierendes Indiz für ein Erstarken rechtsradikalen Gedankenguts in Deutschland".

Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat den mutmaßlichen Brandanschlag auf eine Moschee in Berlin-Neukölln scharf verurteilt. „Sollte es sich um einen vorsätzlichen, politisch motivierten Anschlag gehandelt haben, wäre das ein weiteres alarmierendes Indiz für ein Erstarken rechtsradikalen Gedankenguts in Deutschland“, erklärte Knobloch am Sonnabend in München.

Unbekannte hatten am Freitagmorgen versucht, die Sehitlik-Moschee in Brand zu setzen. Am Tatort wurde unter anderem eine Propangasflasche gefunden, die möglicherweise zur Explosion gebracht werden sollte. Die Flammen waren von einem Mitarbeiter der muslimischen Gemeinde nach 6 Uhr entdeckt worden und konnten schnell gelöscht werden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Berlins größter Moscheebau war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Brandanschlägen, die bislang nur geringem Sachschaden verursachten.

Knobloch forderte, bei der gesellschaftlichen Integrations-Debatte den Schwerpunkt auf die Bildung zu legen. Einerseits sei es „selbstverständlich essentiell“, Immigranten nach Ihrer Ankunft in der Bundesrepublik schnellstmöglich die deutsche Sprache und die Grundzüge deutscher Sozialkunde zu vermitteln. „Auf der anderen Seite müssen wir alle unsere Kinder und Jugendlichen von klein auf mit anderen Kulturen und den Vorzügen einer offenen und pluralistischen Gesellschaft vertraut machen.“ Deutschland brauche ein Bildungssystem, das der jungen Generationen vermittelt, „dass die Werte, auf denen unsere Gesellschaft aufbaut, nicht selbstverständlich sind, sondern zu weiten Teilen auf jenen Erfahrungen beruhen, die wir ihnen ersparen möchten“.

Weiter sprach sich Knobloch dafür aus, dass Thema Verantwortung ins Zentrum der Diskussion zu rücken. „Alle Menschen in diesem Land tragen gleichermaßen Verantwortung für die im Grundgesetz verankerten Werte und Freiheitsrechte.“ Diskriminierung in welcher Form auch immer, als Gewalt, Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Antisemitismus, seien „niemals nur das Problem der betroffenen Gruppe, sondern vor allem das Problem der Gesellschaft, in der sie vorkommen“.