Nach Räumung

Erster Prozess um Liebig 14 - Angeklagter schweigt

Sieben Wochen nach der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 14 hat nun der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen Steinewerfer begonnen. Der 36-jährige Brite verweigert die Aussage.

Rund 2500 Polizisten waren im Einsatz, als am 2. Februar 2011 in der Liebigstraße 14 eines der letzten besetzten Häuser geräumt wurde. Es flogen Flaschen und Steine. Nur sieben Wochen nach den Ausschreitungen im Stadtteil Friedrichshain hat am Montag der erste Prozess begonnen. Der 36 Jahre alte Angeklagte hat vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten die Aussage verweigert.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem berufslosen Mann versuchte Körperverletzung und Widerstand bei seiner Festnahme vor. Der aus Blackpool stammende Angeklagte soll im Anschluss an eine Kundgebung mit Wucht einen Schotterstein auf einen Polizisten geschleudert haben. Der Beamte trug Schutzkleidung und wurde nicht verletzt.

Nach Angaben des 34 Jahre alten Polizisten habe der Angeklagte den Stein aus vier Metern Entfernung geworfen. Er sei am Rücken getroffen worden, sagte der Zeuge. Der Beamte berichtete von Tumulten. Immer wieder seien Flaschen und Steine geworfen worden.

Im Zusammenhang mit den Krawallen wurden nach Angaben von Justizsprecher Martin Steltner bisher neun Anklagen erhoben. Betroffen sind Männer im Alter von 22 bis 27 Jahren, denen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Widerstand vorgeworfen wird. Der Brite kam als einziger in Haft, weil er keinen festen Wohnsitz hatte. Inzwischen lebt er in Hamburg und ist auf freiem Fuß.

Insgesamt hatte die Polizei bei und nach der Räumung mehr als 80 Demonstranten zunächst festgenommen. Hunderte Demonstranten hatten versucht, das besetzte Haus zu stürmen. Der Altbau war im Jahr 1990 besetzt worden. Zeitweise hatten die Bewohner Mietverträge, die aber gekündigt wurden, als das Haus Ende der 90er Jahre von zwei Privatpersonen gekauft worden war.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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