Arbeitsniederlegung

Berliner Charité wird ganztägig bestreikt

10.000 Mitarbeiter fordern mehr Lohn. Doch weil es nach vier Monaten Verhandlungen weiterhin kein Angebot der Berliner Charité gibt, wird heute gestreikt. Für Patienten kann es an drei Standorten zu erheblichen Wartezeiten kommen.

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Ein Warnstreik des Pflege- und Technikpersonals hat am Dienstag an der Berliner Charité zu längeren Wartezeiten für Patienten geführt. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ließen an allen Standorten bis zum Mittag rund 2000 Mitarbeiter die Arbeit ruhen.

„Betroffen waren zum Beispiel Stationen, Operationssäle und Bereiche wie die Nierenheilkunde“, sagte ver.di Sprecher Andreas Splanemann. Die Streikenden hätten sich aber abgewechselt, um Patienten nicht alleinzulassen. Notfälle seien sofort behandelt worden. Der Warnstreik sollte bis 18 Uhr andauern.

Die Gewerkschaft ver.di fordert trotz der angespannten finanziellen Lage der Charité jeweils 300 Euro mehr Lohn für 10.000 Mitarbeiter. Am Mittwoch gibt es eine neue Verhandlungsrunde. Anders als das Pflegepersonal sind die meisten Charité-Ärzte nicht bei ver.di, sondern beim Marburger Bund organisiert. Auch dort stehen in diesem Jahr noch Tarifverhandlungen an. Insgesamt hat die Charité rund 13.000 Beschäftigte.

Der Protest richtet sich gegen das niedrige Lohnniveau der Charité-Tochter Charité Facility Management (CFM). Die Charité zahle im Vergleich zu anderen Berliner Kliniken rund 14 Prozent weniger Gehalt, berichtete ver.di Sprecher Splanemann. Die schwierige finanzielle Lage des Uniklinikums, das 2010 rund 17 Millionen Euro Minus machte, sehe die Gewerkschaft aber durchaus.

2011 will das Klinikum durch weitere große Sparanstrengungen eine schwarze Null schreiben. Durch einen Verzicht auf Gehaltserhöhungen komme man aber auch nicht weiter, betonte Splanemann. Die Charité habe nach vier Monaten Verhandlungszeit bisher kein konkretes Tarifangebot gemacht. Zusätzlich wirkten sich Personalabbau und Umstrukturierungen negativ auf die Beschäftigungsbedingungen aus. Medizinisches Fachpersonal drohe abzuwandern.

„Man muss sehen, wie man das alles in ein Tarifpaket bekommt. Es ist eine Gratwanderung“, sagte Splanemann. Ver.di suche nach einem „fairen und angemessenen Weg“. Die Gebäudereiniger verwiesen darauf, dass die CFM rund 43 Cent pro Stunde weniger zahle als vergleichbare Arbeitgeber. Auf einen Monat hochgerechnet seien das 70 Euro. In der Gebäudereinigung mit ihren niedrigen Löhnen käme es auf jeden Cent an. Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegten, werde auch unbefristet gestreikt.

Charité-Chef Karl-Max Einhäupl hatte vor rund 10 Tagen Verständnis für die Forderungen nach mehr Tariflohn für das Pflegepersonal gezeigt. Die Charité könne ver.di aber nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten entgegenkommen. „Wunschlisten sind keine Bekommlisten“, schränkte auch Splanemann ein.