Soziales

Treberhilfe findet eigene Arbeit gut - Senat prüft

Die in die Kritik geratene Treberhilfe Berlin hat ihre Arbeit verteidigt und erste Reformvorschläge präsentiert. Darin ist ersichtlich, welcher Mitarbeiter wie viele Klienten in welchem Zeitraum betreut. Das ist aber noch kein Beweis, dass die Treberhilfe hilft.

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Ein Jahr nach der „Maserati-Affäre“ hat die Berliner Treberhilfe ihren Reformwillen bekräftigt. Als wichtigen Schritt hin zu einer Leistungstransparenz bewertete am Mittwoch ihr Geschäftsführer Gideon Joffe ein neueingeführtes System zur Erfassung des Personalaufwandes bei der Betreuung Obdachloser und in der Straßensozialarbeit.

Es mache schnell sichtbar, ob Vorgaben des Landes zum Personalschlüssel eingehalten würden. „Wir haben hier eine Pionierrolle eingenommen“, sagte Joffe vor Journalisten. „Wir halten in allen Bereichen ein, was der Gesetzgeber an Personalaufwand verlangt.“

Der frühere Treberhilfe-Chef Harald Ehlert war vor einem Jahr wegen seines Maserati-Dienstwagens und seines Geschäftsgebarens heftig kritisiert worden und unter öffentlichem Druck als Geschäftsführer zurückgetreten. Er ist aber Miteigentümer der Gesellschaft geblieben und tritt für ein profitorientiertes Sozialunternehmertum ein. Mit Blick auf sein früheres Gehalt und seine Wohnung in einer Dienstvilla sah er sich mit den Vorwurf konfrontiert, das gemeinnützige Unternehmen wie einen Selbstbedienungsladen geführt zu haben, was er zurückwies.

Es gab auch Verdächtigungen, dass die Treberhilfe hohe Profite nur deshalb erwirtschaften konnte, weil zu wenig Personal eingesetzt worden sei. Dies will das Unternehmen nun mit Hilfe ihres neuen Nachweissystems für den Personalaufwand widerlegen. Die Zahlen seien der Senatsverwaltung für Soziales übermittelt worden.

Aus Sicht von Joffe konnte es solche Verdächtigungen letztlich nur geben, weil Vorgaben des Landes, wie die Trägerorganisationen ihre Leistungen in der Sozialarbeit nachzuweisen haben, nicht genau genug ausfielen. Der Berliner Rahmenvertrag reiche nicht aus. Hier müsse der Senat genaue Maßstäbe setzen, die gleichermaßen für den gesamten Sozialbereich zu gelten hätten.

Nach Auffassung Joffes sollten zudem die Gewerkschaften einen Flächentarifvertrag für Sozialarbeiter durchsetzen. So etwas gebe es bisher nicht. Joffe hatte schon nach seinem Amtsantritt vor wenigen Wochen Reformbereitschaft signalisiert und auch angedeutet, dass sich die Treberhilfe zumindest mit einigen Betriebsteilen vom Status der Gemeinnützigkeit verabschieden könnte. Dazu hatte Joffe den Senat um Hilfe gebeten.

Nach seiner Vorstellung soll ein sogenannter Vermittlungsrat die Reform begleiten. Er wünscht sich, dass Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) an der Bildung des Gremiums mitwirkt. Er hoffe immer noch auf eine Antwort, sagte Joffe am Mittwoch. Zur laufenden Auseinandersetzung mit den Finanzbehörden, ob die Treberhilfe noch als gemeinnützig eingestuft werden darf, wollte sich der Geschäftsführer unter Verweis auf das Steuergeheimnis nicht äußern.

Die Treberhilfe betreut nach eigenen Angaben pro Jahr bis zu 4000 Obdachlose und andere Bedürftige in Berlin – mit einer Erfolgsquote von 85 Prozent, wie Joffe erläuterte. Nach seinen Angaben bezahlt das Unternehmen seine Sozialarbeiter zwischen 5 und 12 Prozent besser als das Land Berlin.

Im Raum steht die Frage, ob die Treberhilfe qualitativ gute Arbeit leistet. Auf Nachfrage bestätigte die Sprecherin der Sozialverwaltung, dass derzeit ein Prüfverfahren laufe. Bis zu dessen Abschluss nehme die Verwaltung zu Inhalten nicht Stellung.