Restaurierung

Berliner Friedhöfe suchen Paten für Gräber

Der Berliner Grabmalkunst droht offenbar der Verfall. Deshalb suchen Friedhöfe in der Hauptstadt Paten, um Grabanlagen zu erhalten. In einem Katalog kann man sich demnächst Gräber aussuchen.

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Unter dem Motto „Berliner Grabmale retten“ suchen Friedhöfe in der Hauptstadt Paten zum Erhalt wertvoller Grabanlagen. Grund seien die fehlenden Gelder bei Friedhofsverwaltungen und Landesbehörden, teilte das Landesdenkmalamt am Dienstag in Berlin mit. Die Hilfsaktion sei notwendig geworden, weil der Berliner Grabmalkunst der Verfall drohe „und damit der Verlust dieses einmaligen kulturellen Gedächtnisses Berlins“.

In einer Publikation, die kostenlos bestellt werden kann, und auf einer Webseite stellt das Landesdenkmalamt demnächst beispielhaft 100 verwaiste Grabanlagen auf 20 Berliner Friedhöfen vor. Detaillierte Texte informierten nicht nur über die Verstorbenen, die Grabstätten und ihre Künstler, sondern auch über die erforderlichen Mittel zum Erhalt der Gräber, hieß es weiter.

Die Kosten bewegten sich zwischen 2.000 Euro für die behutsame Reinigung einer Granitstele mit Marmormedaillon und 200.000 Euro für die komplette Sanierung eines großen Mausoleums. Unterstützt wird die Aktion von Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) und der Kulturstiftung der Länder.

Für einige der im Katalog genannten Grabanlagen sei bereits die Rettung in Sicht, hieß es weiter. So gibt es beispielsweise eine Spendenaktion für die Gräber der Schriftstellerin und Schiller-Freundin Charlotte von Kalb und des Altphilologen und Professors der Berliner Universität, Karl Lachmann, auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in der Bergmannstraße. Auch für ein Jugendstilgrab auf dem jüdischen Friedhof Weißensee habe sich bereits eine Spenderin gefunden.

Bereits seit zwei Jahren wirbt der evangelische Alte St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg für Grabpatenschaften. Die 1856 angelegte, denkmalgeschützte Anlage zählt zu den bedeutendsten Friedhöfen der Stadt. Hier ruhen unter anderem Berühmtheiten wie die Märchenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm, der Mediziner Rudolf Virchow, der Architekt Alfred Messel und der Komponist Max Bruch. Rund 130 bedrohte Grabanlagen warten derzeit auf Spender, die zum Teil dadurch auch Nutzungsrechte erwerben können.