Staatsbürgerschaft

Einbürgerung in Berlin meist ohne Integrationskurs

Kaum ein in Berlin eingebürgerter Ausländer nutzt die Kurse zur Vorbereitung auf den Einbürgerungstest. Von den 6309 in Berlin Eingebürgerten absolvierten gerade einmal 247 (3,9 Prozent) einen Integrationskurs.

Die weitaus meisten im vergangenen Jahr in Berlin eingebürgerten Ausländer haben die Hürden vor dem deutschen Pass ohne Integrationskurs genommen. Von den 6309 Eingebürgerten absolvierten nur 247 (3,9 Prozent) einen solchen Kurs. Das geht aus Aufstellungen des Landesamtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor. Ein Jahr zuvor hatten 174 (2,5 Prozent) von insgesamt 6864 Eingebürgerten an einem Integrationskurs teilgenommen. In Deutschland steht vor einer Einbürgerung in jedem Fall ein Einbürgerungstest.

Ausländer haben Anspruch auf Einbürgerung, wenn sie seit mindestens acht Jahren rechtmäßig in Deutschland leben und den Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Sie dürfen nicht vorbestraft sein und müssen ausreichend gut Deutsch sprechen und ausreichende Kenntnisse der hiesigen Lebensverhältnisse haben. Durch die erfolgreiche Teilnahme an einem Integrationskurs kann man die Frist zur Einbürgerung von 8 auf 7 Jahre verkürzen. Wer sehr gut Deutsch spricht, muss unter Umständen nur sechs Jahre warten.

Die große Mehrheit der Einbürgerungen erfolgte 2009 nach einem mindestens achtjährigen Aufenthalt in Deutschland ohne Kurs. Auf diese Art erhielten 4758 Menschen (75,4 Prozent) die deutsche Staatsangehörigkeit. 2008 nutzen 5042 Ausländer diesen Weg, jeweils etwa zur Hälfte Männer und Frauen.

In den Kursen relativ am stärksten vertreten waren Teilnehmer aus der Türkei und Bosnien-Herzegowina – jeweils insgesamt 21. Eingebürgert wurden 1787 Türken und 126 Bosnier. Von 3280 Europäern, die deutsche Staatsbürger wurden, gingen 97 zu den Kursen. Bei den Asiaten waren es 66 von 1657 Eingebürgerten. Afrikaner stellten 603 neue Deutsche, von denen 32 einen Integrationskurs mitmachten. Von

233 Nord- und Südamerikanern, die den deutschen Pass erhielten, nahmen 17 an den Kursen teil.

Integrationskurse gibt es seit 2005. Sie bestehen aus einem Sprachkurs von 600 Stunden zur Vermittlung von Deutschkenntnissen und einem Orientierungskurs von 45 Stunden zur Vermittlung von Wissen zu Gesetzen, Geschichte und Kultur in Deutschland. Zuwanderer müssen daran teilnehmen, wenn die Ausländerbehörde ihre Deutschkenntnisse für nicht ausreichend hält. Auch wer als Ausländer Arbeitslosengeld II bezieht muss unter Umständen einen solchen Kurs absolvieren. Pro Unterrichtsstunde muss ein Euro Eigenbeitrag bezahlt werden.