Todesnachricht

Berliner Politiker würdigen Dietrich Stobbe

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Foto: ddp

Berlin trauert um Dietrich Stobbe. Der SPD-Politiker und frühere Regierende Bürgermeister starb am Sonnabend. Er galt in schwierigen Zeiten des Baufilzes und von SPD-Flügelkämpfen in West-Berlin als Vermittler und Versöhner.

Berlins früherer Regierender Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) ist tot. Stobbe, der den Berliner Senat von 1977 bis 1981 führte, starb am Samstagmorgen im Alter von 72 Jahren. Das teilte sein Sohn Michael Stobbe mit. Stobbe stand in turbulenten Zeiten an der Spitze einer SPD/FDP-Koalition und wurde am Ende seiner politischen Karriere als Regierungschef Opfer des Baufilzes und Subventionssumpfes im Westteil von Berlin.

Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), sagte laut einer Mitteilung, Stobbe sei „nach langer, schwerer, geduldig ertragener Krankheit“ gestorben. „Meine Gedanken sind bei seiner Frau und den beiden Söhnen“, fügte er hinzu. Dem ehemaligen Regierenden habe das Wohl der Stadt stets am Herzen gelegen. Vor allem seine Hinwendung zur inneren Stadtpolitik und die „Durchführung und Absicherung des Transitabkommens, das für die Westberliner eine gesicherte Fahrt nach Westdeutschland ermöglichte“ sei eine besondere Leistung Stobbes gewesen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte seinen Amtsvorgänger als einen „engagierten Menschen, der in seiner Zeit als Regierender Bürgermeister wichtige Impulse gegeben hat“. Wowereit sagte: „Berlin trauert um Dietrich Stobbe und sagt Danke.“ Stobbe habe auch nach seinen Jahren als Regierungschef „aktiv das Stadtleben mitgeprägt und dabei insbesondere den sozialen Zusammenhalt in der Stadt gestärkt“. Auch die Grünen-Kandidatin für das Amt des Regierenden bei der Abgeordnetenhauswahl im September, Renate Künast, trauerte „um einen aufrichtigen Berliner“. Stobbe sei in für den Westteil der Stadt sehr turbulenten und schwierigen Zeiten Regierender Bürgermeister gewesen. Er verkörpere damit ein Stück Geschichte Berlins.

Der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller betonte, mit Dietrich Stobbe verliere Berlin einen großen und engagierten Politiker, einen geschätzten Ratgeber und langjährigen Wegbegleiter. „Berlin zu dienen, so sagte er selbst, war Ziel seines Handelns. Er hat diese Stadt geliebt. Mehr noch als einen politischen Ratgeber verliere ich persönlich heute einen guten Freund. Wir verneigen uns vor seinem Lebenswerk“, fügte er hinzu.

Stobbe trat am 15. Januar 1981 zurück, nachdem das Abgeordnetenhaus vier seiner fünf Senatoren-Vorschläge gekippt hatte. Vorausgegangen war ein Skandal um eine Millionenbürgschaft des Senats für ein Bauprojekt eines Berliner Architekten in einem Wüstenstaat. Damals war im Parlam ent die Rede von einer „U-Boot-Affäre“. Stobbes Rückzug hatte in West-Berlin historische Dimensionen. Nach langer SPD-Vorherrschaft in der Stadt übernahm im Mai 1981 Richard von Weizsäcker für die CDU die Regierungsgeschäfte in der damaligen Teilstadt. Dietrich Stobbe wurde in Weepers in Ostpreußen geboren. In der SPD zählte er zum engeren Beraterkreis von Spitzenpolitikern wie Klaus Schütz und Willy Brandt. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehörte Stobbe ohne Unterbrechung von 1967 bis 1981 an.

( BMO/ap/dpa )