Sozialdemokraten

Ehemaliger Berliner Regierungschef Stobbe ist tot

Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) ist am Samstagmorgen nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben. Dies erfuhr Morgenpost Online aus Parteikreisen.

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Der frühere Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) ist tot. Stobbe, der den Berliner Senat von 1977 bis 1981 führte, starb nach langer Krankheit am Samstag im Alter von 72 Jahren. Dies erfuhr Morgenpost Online aus Parteikreisen.

Stobbe stand in turbulenten Zeiten an der Spitze einer SPD/FDP-Koalition und wurde am Ende seiner politischen Karriere Opfer des Baufilzes und Subventionssumpfes im Westteil von Berlin. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte Stobbe als einen „engagierten Menschen, der in seiner Zeit als Regierender Bürgermeister wichtige Impulse gegeben hat“. Wowereit sagte: „Berlin trauert um Dietrich Stobbe und sagt Danke.“ Stobbe habe auch nach seiner Jahren als Regierender „aktiv das Stadtleben mitgeprägt und dabei insbesondere den sozialen Zusammenhalt in der Stadt gestärkt“.

Nach einem Skandal um eine Millionenbürgschaft des Senats für ein Bauprojekt eines Berliner Architekten in einem Wüstenstaat fiel Stobbe im Abgeordnetenhaus mit der missglückten Wahl seiner eigenen Senatoren durch. Am 15. Januar 1981 trat er zurück, nachdem das Plenum vier seiner fünf Senatoren-Vorschläge gekippt hatte. Die Rede war damals von der „U-Boot-Affäre“. Sein Rückzug hatte in West-Berlin historische Dimensionen. Nach langer SPD-Vorherrschaft in der Stadt übernahm im Mai 1981 Richard von Weizsäcker für die CDU die Regierungsgeschäfte in der damaligen Teilstadt.

Dietrich Stobbe wurde in Weepers in Ostpreußen geboren. In der Berliner SPD startete er seine Politik-Karriere als Kreisgeschäftsführer in Charlottenburg. Er stieg schnell auf und gehörte zum engeren Beraterkreis von Spitzenpolitikern wie Klaus Schütz und Willy Brandt. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehörte Stobbe ohne Unterbrechung von 1967 bis 1981 an. Sein erstes höheres Amt leitete er als Senator für Bundesangelegenheiten. Als Regierungschef löste er im Mai 1977 Klaus Schütz ab.

Die Zeit Ende der 70er Jahre war im Westteil Berlin geprägt von Baufilz und Unruhen wegen zahlreicher Hausbesetzungen. In der SPD kam es zu heftigen Flügelkämpfen, die 1981 bei der geplanten Wiederwahl des Senats zum Eklat führten. Eigene Abgeordnete, deren Identität bis heute unklar blieb, versagten ihrem Regierungschef die Gefolgschaft. Stobbe zog die Konsequenz und trat wenige Stunden nach der Pleite im Parlament zurück.

Später leitete er das New Yorker Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung und war für seine Partei im Bundestag. In der Privatwirtschaft war Stobbe noch mehrere Jahre für eine Unternehmensberatung tätig. Zeitweise vermittelte er auch als Schlichter für Tarifverhandlungen in der Berliner Metallindustrie.

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