Lösegeld übergeben

Kindesentführung in Kleinmachnow - Täter gefasst

In Kleinmachnow hat ein Maskierter ein vierjähriges Mädchen verschleppt. Der Täter hinterließ eine Lösegeld-Forderung in fünfstelliger Euro-Höhe. Am Abend wurde das Geld übergeben, die Kleine kam frei. Der Täter soll heute noch dem Haftrichter vorgeführt werden.

Foto: schroeder

Die Eltern der kleinen Karoline aus Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) erleben den Albtraum aller Eltern, als am Donnerstagmorgen ihre vierjährige Tochter entführt wird. Vor den Augen der entsetzten Mutter wird das kleine Mädchen in ein Auto gezerrt, das im nächsten Moment davonrast. Der maskierte Täter hatte der Frau eine Sichel an den Hals gehalten und gedroht, ihr die Kehle durchzuschneiden.

Am Abend dann, nach einem mehr als 13 Stunden langen Großeinsatz der Polizei, bei dem Brandenburger und Berliner Spezialkräfte auch verdeckt ermittelten, kommt die erlösende Nachricht: Karoline ist frei. Zuvor war es an der A12 zu einer Geldübergabe gekommen, beobachtet von versteckten Polizeieinheiten. Als die Nachricht über Funk kommt, dass Karoline freigelassen und in Sicherheit ist – sie stand plötzlich vor ihrem Elternhaus, schlägt die Polizei zu. Ein Fluchtversuch des Täters scheitert. Er verliert die Kontrolle über seinen Wagen. Sekunden später ist er überwältigt. Derzeit konzentrieren sich die Ermittlungen der Polizei auf die Frage, ob der Kidnapper einen oder mehrere Komplizen hatte. Denn die Zeitspanne zwischen der Geldübergabe bei Fürstenwalde und Karolines Erscheinen zu Hause deutet darauf hin.

Mutter mit Sichel bedroht

Das Drama beginnt am Donnerstagmorgen. Straße Zur Remise in Kleinmachnow, 8.04 Uhr: Die Mutter der vier Jahre alten Karoline K. bringt ihre Tochter zur Tagesmutter. Sie wohnt nur ein paar Häuser weiter. Karoline K. und ihre Mutter sind im Haus. Mehrere Kinder wollen gerade die Wohnung der Tagesmutter mit einer Betreuerin verlassen. Plötzlich stoppt ein roter Wagen mit quietschenden Reifen vor dem Haus. Ein Mann springt heraus. Er ist maskiert, hat eine Sichel in einer Hand. Der Maskierte stürmt in das Haus und schreit: „Wo ist Karoline?“. Er presst der Mutter die Klinge der Sichel an den Hals, reißt das Kind an sich. Nur Sekunden später ist er mit Karoline in einem roten Renault „Clio“ verschwunden.

Später wird sich herausstellen, dass der Wagen von seinem Besitzer als gestohlen gemeldet worden war. Nach Informationen der Morgenpost hatte der Mann Kennzeichen der Tschechischen Botschaft am Wagen angebracht.

Bei der Polizei wird Großalarm gegeben. Einheiten rücken aus, in zivil, in Funkstreifenwagen. Zeitgleich beginnen Polizeibeamte damit, erste Täterprofile zu erarbeiten. Denn der Kidnapper hat der Mutter noch einen Zettel zugeworfen, bevor er davonraste. Darin steht die Forderung des Entführers: 60.000 Euro in nicht markierten Scheinen. Zudem soll ein Auto zu einem Treffpunkt fahren. Den genauen Ort will der Entführer noch bekannt geben. Das Auto darf ebenfalls nicht präpariert sein, so die Forderung. Und weiter heißt es: keine Polizei, vor allem keine Presse.

Im Potsdamer Präsidium wird eine sogenannte Besondere Aufbau-Organisation gegründet. In Berlin wird Unterstützung angefordert. Zwei Mobile Einsatzkommandos (MEK) der Hauptstadt bereiten sich auf einen möglichen Einsatz vor. Die Polizisten des SEK (Spezialeinsatzkommando) werden ebenfalls in die Fahndungsmaßnahmen eingebunden, sie kommen für den möglichen Zugriff ebenso in Frage wie ihre Kollegen aus Potsdam.

Den ganzen Tag über herrscht Rätselraten über das Vorgehen und die Motivation des Täters. Nur 15 Meter liegen zwischen dem Einfamilienhaus der Familie K. und den Räumen der Tagesmutter. Der Entführer muss die Gewohnheiten der Familie genau beobachtet und ausgewertet haben. Fragen über Fragen – stammt der Täter aus dem Umfeld der Familie? Ist er ein Nachbar, mit dem die Familie einen Streit hatte? Gibt es jemanden, bei dem die Familie Schulden hatte, die nicht beglichen werden konnten? Nach und nach stellt sich jedoch heraus, dass es keinerlei Hinweise auf solche Verbindungen gibt.

Karolines Eltern scheinen in ganz normalen Verhältnissen zu leben. Beide sind Angestellte.

Rätselraten um das Motiv

Erst seit einem halben Jahr lebt die Familie mit mehreren Kindern in dem Einfamilienhaus an der Straße Zur Remise. Eine angenehme Wohngegend. Ein Ermittler beschreibt sie als normale Menschen. Weiß dies auch der Täter? Denn die Summe von 60.000 Euro ist ungewöhnlich niedrig für eine Entführung mit Lösegelderpressung.

„Kleinmachnow ist im allgemeinen bekannt für besser verdienende, betuchte Bewohner“, so ein Ermittler gegenüber dieser Zeitung. „Ein höherer Betrag wäre eigentlich logischer aus Sicht des Entführers gewesen. Oder aber er weiß um die finanzielle Situation der Familie, nach dem Hausbau und dem Umstand, dass diese 60.000 Euro auch schnell bereitgestellt werden, wenn es um das Leben eines kleinen Mädchens geht.“

Der Tatverdächtige soll am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. „Wir wollen das zügig veranlassen“, sagte ein Polizeisprecher. Details auch zur Identität des Entführers will die Polizei am Freitagmittag in einer Pressekonferenz bekanntgeben.