Mietspiegel

Wowereit sieht steigende Mieten in Berlin positiv

Alles eine Frage der Balance: Für den Regierenden Bürgermeister Wowereit sind die wachsenden Mieten in Berlin kein Grund zur Sorge – sofern die Einkommen entsprechend mitwachsen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die steigenden Mieten in Berlin als ein positives Zeichen gewertet. Aus wirtschaftspolitischer Sicht sei immer klar gewesen, dass sich das Preisniveau verändern werde, je besser es Berlin gehe, sagte er am Freitag bei einer Diskussionsveranstaltung der Handelskammer und des Wirtschaftsklubs VBKI im Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) und sammelte nicht nur mit dieser Aussage durchaus Punkte bei den Wirtschaftsvertretern. Wowereit präsentierte sich schlagfertig und merkte mit Blick auf die Grünen spitz an, warum die IHK denn zuletzt politische Kräfte hofiert hätte, die etwa beim Thema A100 gegen die Interessen der Wirtschaft handelten.

Steigende Mieten seien kein Problem, wenn auch die Einkommen stiegen, so Wowereit. Man müsse sich daran gewöhnen, dass die Stadt nicht mehr so preiswert ist, wie sie einmal war. Er ärgerte sich, dass dieser Trend immer reflexhaft als "Malaise" dargestellt werde. "Man muss sich entscheiden, ob man das niedrige Niveau halten oder die Stadt nach vorne bringen will", sagte der Regierende. Allerdings müsse man Verhältnisse wie in London oder New York vermeiden, wo Normalverdiener wegen der hohen Kosten kaum mehr in der Innenstadt leben könnten. "Wir müssen die Balance hinkriegen und die Stadt für alle erhalten", sagte der Sozialdemokrat.

Wowereit verwies auf die positive Entwicklung, die die Stadt in den zehn Jahren seiner Regierungszeit genommen habe. Wowereit sprach sich dafür aus, die größten Brachen der Stadt, die beiden Flughafengelände von Tempelhof und Tegel, mit öffentlichen Investitionen voranzubringen. "Die Entwicklung hängt von Schlüsselinvestitionen ab", sagte Wowereit, ohne jedoch explizit die Pläne für eine neue Zentralbibliothek in Tempelhof oder den Umzug der Beuth-Hochschule für Technik nach Tegel zu erwähnen. Das wichtigste Projekt sei aber zunächst der neue Flughafen BBI. Dessen Funktion als Drehkreuz sei gefährdet, wenn Flüge in den Tagesrandzeiten zwischen fünf und sechs Uhr morgens sowie zwischen 22 und 24 Uhr politisch infrage gestellt würden. Als die Brandenburger SPD beschlossen habe, auf Tagesrandzeiten weitgehend zu verzichten, sei er "fast vom Hocker gefallen", sagte Wowereit.

Die Berliner Bürger und auch die anwesenden Wirtschaftsvertreter forderte der Bürgermeister auf, die Reihen zu schließen gegen Angriffe von außen wie die angedrohte Klage der Südländer gegen den Länderfinanzausgleich oder die Verschiebung des Baus des Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz durch die Bundesregierung. "Wir werden behandelt wie der letzte Dreck, als ob wir anderen etwas wegnehmen würden", sagte Wowereit.

Um die Stadt langfristig vom mit Abstand größten Nehmer zu einem Geber im Länderfinanzausgleich zu machen, will Wowereit weiterhin in die Wissenschaft investieren und Schwerpunkte in Schulen und Kitas setzen. Noch wichtiger als diese harten Faktoren und wesentliche Voraussetzung für die Attraktivität Berlins sei aber eine "Haltung, ein Lebensgefühl, eine Liberalität, ein gesellschaftliches Klima", sagte Wowereit. Berlin müsse offen sein, Menschen müssten ohne Angst vor Diskriminierung hier leben können.

Insofern erklärte der Regierende die von ihm verfochtene Linie in der Integrationspolitik auch zur wirtschaftspolitischen Leitlinie.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.