DDR-Vergangenheit

Stasi-Fall bei RBB – Redakteur war überzeugter IM

Die ARD hat es mit einem neuen Stasi-Fall zu tun: Ein Redakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg hatte sich freiwillig beim Ministerium für Staatssicherheit gemeldet. Offenbar werden beim RBB nicht mehr alle Angestellten auf eine frühere Stasi-Tätigkeit überprüft.

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In der ARD ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ein neuer Stasi-Fall bekanntgeworden. Ein Redakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) wurde laut Aktenlage von 1980 bis 1989 in der Berliner Stasi-Hauptabteilung Spionageabwehr als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt.

Der Sprecher der Berliner Stasi-Unterlagen-Behörde, Andreas Schulze, bestätigte am Sonntag den Bericht. „Die Angaben stimmen“, sagte Schulze. Der Mann hatte sich laut „Spiegel“ 1980 freiwillig wegen seiner politischen Überzeugung schriftlich zur Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verpflichtet. Sein Deckname lautete „Kay“. Das MfS bedankte sich demnach bei ihm mit Geschenken.

Laut Akte arbeitete er zunächst bis 1986 im DDR-Außenhandelsunternehmen Transinter, das zum Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) gehörte. Später ging er als Redakteur zur Tageszeitung „Junge Welt“, dem Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Beim RBB sei der Redakteur seit 2008 angestellt. Er habe einen befristeten Arbeitsvertrag, sagte Sprecher Justus Demmer.

Der RBB führe jetzt Gespräche und werde danach entscheiden, was weiter zu tun sei. Beim RBB würden seit einiger Zeit nicht mehr alle Angestellten auf eine frühere Stasi-Tätigkeit überprüft, sondern nur noch Neueinstellungen mit besonderer Vertrauenswürdigkeit, etwa im Personalbereich.

Der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Mitglied im Rundfunkrat, Christian Goiny, erklärte unterdessen am Sonntag: „Wir erwarten von der Intendantin des RBB auf der Sitzung des Rundfunkrats am kommenden Donnerstag einen umfassenden Bericht, der die getroffenen Konsequenzen beinhaltet und Antwort auf unsere Fragen gibt.“

Goiny will wissen, wer seit wann von der Stasi-Tätigkeit des Angestellten gewusst hat, und warum der RBB die Öffentlichkeit nicht informierte. Auch Hagen Boßdorf, der ehemalige Sportkoordinator der ARD, war Stasi-IM. Die ARD beendete 2007 die Zusammenarbeit mit ihm. Ausschlaggebend war damals aber ein Fall von Schleichwerbung in Kurzbeiträgen über eine Nordic-Walking-Veranstaltung in der ARD, die Boßdorf zu verantworten hatte.