Polizeieinsatz

Liebig 14 – Innen war das Haus wie eine Festung

Stahltüren, Badewannen voller Flüssigkeit und herausgerissene Stromkabel – die Hausbesetzer hatten den fünfstöckigen Altbau in Friedrichshain offenbar tagelang zu einer Festung umgebaut. Das verblüffte sogar die Polizisten.

Seit Wochen müssen die Hausbesetzer in der Berliner Liebigstraße 14 geschuftet haben. Wie eine Trutzburg war der fünfstöckige Altbau mit zehn Wohnungen von innen gegen die Polizei verbarrikadiert und gesichert. Alle Fenster vernagelten die Bewohner, nur wenige Lichtstrahlen fielen am Mittwochnachmittag in die leeren und kaum mehr bewohnbaren Räume. Die einzelnen Wohnungstüren waren mit Blech oder Holz verstärkt und zum Teil mit Eisenstützen von Baustellen innen abgestützt.

"Da kommt man auch mit einer Ramme nicht durch.“

Ihr Meisterstück lieferten die Besetzer aber im Treppenhaus hinter der mit Müll blockierten Eingangstür ab: Eine massive Stahltür und direkt dahinter eine stählerne Klapptür, die von innen herabfiel und zusätzlich mit Eisenstützen gesichert wurde. „Das sind wirklich gute Schweißarbeiten“, sagte ein Polizist anerkennend. „Da hat man keine Chance. Da kommt man auch mit einer Ramme nicht durch.“

Doch jede Burg hat ihre Schwachstelle. Die Polizei nahm den Umweg über den Dachboden des Nachbarhauses und durchbrach die gemauerte Wand zum besetzten Haus. Badewannen voller Flüssigkeit und Kabel, die als eine Art Bombenattrappen auf dem obersten Treppenabsatz postiert waren, entpuppten sich als harmlos.

Die verbliebenen neun Besetzer hatten sich in einer Wohnung im 3. Stock verschanzt. Die Tür war von innen mit schweren Holzbohlen versperrt, die wiederum mit den Wänden verschraubt waren. Auch hier zertrümmerten die Polizisten die Mauer neben der Tür. Als letzte Gegenwehr, bevor sie festgenommen wurden, sprühten die Bewohner mit Feuerlöscher Pulver auf die Polizisten.

In der düsteren Wohnung steht am Mittwoch neben Müllhaufen und Schuttbergen auf einem Kachelofen noch eine Espressokanne. Orangen, Kakao, Knusper-Schoko-Müsli, Schokolade und Bierflaschen sind im Küchenregal übrig geblieben. Daneben liegen leere Lebensmittelpackungen, Kabel, Schläuche und Kochreste.

Einladend wirken auch die anderen Wohnungen nicht. Die Bewohner nahmen die meisten Möbel mit, Badezimmer und Küchen sind teilweise zerstört und die Tapeten heruntergerissen – der Polizeieinsatz hat den Zimmern und Fluren den Rest gegeben. Auf einem Poster in einer der Wohnungen wird im Halbdunkel zu einer Demonstration gegen Neonazis aufgerufen. Auf einem anderen Plakat, das niemand mehr lesen wird, heißt es: „Wir sind wütend, was seid ihr?“