Kulturgüter

Nofretete bleibt - Regierung lehnt Rückgabe ab

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Dementi aus der Bundesregierung: Ägyptens Regierung fordert Nofrete gar nicht zurück. Ministerpräsident Ahmed Nazif habe einen entsprechenden Brief nicht unterzeichnet, sondern - wieder - nur der ägyptische Chefarchäologe Zahi Hawass. Dessen Behörde behauptet jedoch: Doch, der Brief kommt von Nazif.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat ein offizielles Ersuchen der ägyptischen Regierung zur Rückgabe der Nofretete dementiert. Es gebe ein Schreiben vom 2. Januar, adressiert an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es trage die Unterschrift des ägyptischen Chefarchäologen und stellvertretenden Kulturministers Zahi Hawass. sagte Wolf. Die darin formulierte Bitte um Rückgabe der Nofretete hätten aber weder der ägyptische Ministerpräsident noch andere Regierungsmitglieder unterzeichnet. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bestätigte den Brief aus Ägypten. „Das Schreiben ist nicht vom Ministerpräsidenten unterzeichnet“, teilte Parzinger mit. Dagegen bekräftigte die Altertumsbehörde in Kairo, die Hawass leitet, der Ministerpräsident habe unterschrieben.

Hawass hatte in der Vergangenheit immer wieder die Rückgabe der 3500 Jahre alten Gipsbüste aus dem Neuen Museum in Berlin gefordert. „In der Sachlage gibt es nichts Neues“, sagte Wolf. Der damalige preußische Staat sei bei den Ausgrabungen in Ägypten Anfang des 20. Jahrhunderts durch Fundteilung zum rechtmäßigen Eigentümer der Nofretete geworden. „Aus unserer Sicht gibt es deshalb keinen Rechtsanspruch von Seiten Ägyptens auf diese Büste“, sagte er. Die Stiftung werde das jüngste Schreiben von Hawass zusammen mit der Bundesregierung beantworten, ergänzte Wolf. Die Nofretete bleibt damit weiter in Berlin.

In Berichten aus Kairo hatte es mit Bezug auf das ägyptische Kulturministerium geheißen, das Ministerium habe mitgeteilt, eine offizielle Rückforderung des Staates Ägypten sei an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geschickt worden - und Ministerpräsident Ahmed Nazif habe die Forderung unterzeichnet. Eine Rückgabeforderung der ägyptischen Regierung hätte der Auseinandersetzung um die antike Büste eine neue Qualiät gegeben. Tatsächlich aber hält sich die Regeirung des Landes weiterhin zurück mit einer direkten Beteiligung an dem Streit um Nofretete. Den befeuert von ägyptischer Seite vor allem Hawass.

Die etwa 3300 Jahre alte farbige Büste der Gattin von Pharao Echnaton hatte der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt 1912 in Tell al-Amarna ausgegraben, einer von Echnaton gegründeten Residenzstadt. Hawass ist der Auffassung, Borchardt habe die Verantwortlichen in Kairo damals mit unlauteren Mitteln hinters Licht geführt. Der Deutsche habe dadurch sicherstellen wollen, dass die vom Bildhauer Thutmosis geschaffene Büste auf jeden Fall nach Deutschland kommt. In Berlin wird diese Täuschungsabsicht jedoch bestritten.

Die weltberühmte Büste der Nofretete ist Publikumsmagnet im Neuen Museum in Berlin. Das vom britischen Stararchitekten David Chipperfield restaurierte Haus war erst im Oktober 2009 wiedereröffnet worden und lockte im ersten Jahr mehr als 1,2 Millionen Besucher an. Von Montag bis Mittwoch (24.-26. Januar) bleibt das Museum geschlossen, weil es wegen des großen Andrangs gründlich gereinigt werden muss.

Die Haltung der Stiftung zu Nofretete sei unverändert, betonte Parzinger. „Sie ist und bleibt die beste Botschafterin Ägyptens in Berlin.“ Die Stiftung habe großes Interesse an einer guten Kooperation mit den ägyptischen Fachleuten. Auch im Auswärtigen Amt ist man der Ansicht, die zerbrechliche Dame sei „rechtmäßiges Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ und müsse deshalb auch nicht an Ägypten zurückgegeben werden. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte im vergangenen Mai während eines Besuches in Kairo versucht, die Ägypter davon zu überzeugen.

Als Borchardt 1912 die Nofretete und andere großartige Altertümer aus der Amarna-Zeit entdeckte, galt noch das inzwischen abgeschaffte Prinzip der „Fundteilung“. Dies bedeutete, dass die Hälfte der Fundstücke damals in das Land gingen, das die Ausgrabung finanziert und organisiert hatte, die andere Hälfte blieb in Ägypten. Hawass behauptet, Borchardt habe die Büste vor dem Teilungstermin mit Matsch eingeschmiert, um ihren Wert vor dem ägyptischen Antikendienst zu verbergen. Der Antikendienst, der bei den Fundteilungen entschied, war damals von einem Franzosen geleitet worden.

Der Preußische Kulturbesitz bestreitet eine Täuschung. Die Objekte seien in Listen genau erfasst gewesen. Von den herausragenden Fundstücken hätten auch Fotografien vorgelegen. Zudem hätten damals die geöffneten Kisten zur Begutachtung der Objekte bereitgestanden.

( dpa/dapd/mim/dino )